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  Kampagne für Fahrradabteile im ICE  

Peladeure sehen Konzernchef Mehdorn als Hauptgegner

ADFC glaubt an lange Auseinandersetzung mit der Bahn

Joachim Haas-Feldmann, Frankfurter Rundschau vom 10.3.2003

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) will nicht hinnehmen, dass die Deutsche Bahn (DB) Fahrradabteile im ICE abgeschafft hat. Er hat eine auf zwei Jahre angelegte Kampagne unter dem Motto "Jetzt sind wir am Zug" gestartet, um Druck auf die DB auszuüben.

Die ungewöhnlich lange Dauer der Kampagne hat nicht nur mit den 150 000 Euro zu tun, die der 100 000 Mitglieder starke Verband erst dafür sammeln muss. Vielmehr glaubt ADFC-Sprecherin Bettina Cibulski, "dass die DB sehr lange bearbeitet werden muss" und sich die Konzernpolitik gegenüber Radlern womöglich erst unter dem Nachfolger des derzeitigen DB-Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn wieder zum Besseren wende. In Mehdorn sieht der ADFC seinen Hauptgegner, denn der Bahnchef wolle vor allem Geschäftsreisende in die ICE locken, und dabei empfinde er Radreisende als störend.

Tatsächlich belegt eine Chronologie des ADFC, dass sich mit Mehdorns Ende 1999 begonnener Amtszeit die DB-Politik allmählich zu Ungunsten der Radler entwickelte, die ICE-Verbindungen für ihre Touren bevorzugen: 1994 beschloss die Bahn, einen Teil dieser schnellen Züge mit Radabteilen auszustatten. In den Folgejahren konzentrierte sich das Unternehmen mehr auf Felgenhalterungen in Intercitys und Interregios. 2000 kündigte die DB ein marktorientiertes Angebot für Pedaltreter auch im ICE an. Seit Mai 1999 bereits lief der Test für die Velomitnahme auf der ICE-Verbindung zwischen Stuttgart und Zürich - seit dem jüngsten Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2002 gehört dieser Probelauf jedoch der Vergangenheit an.

Von 2001 an argumentiert die DB immer wieder, die Radmitnahme im ICE koste zu viele Sitzplätze. DB-Sprecher Gerd Felser spricht auf aktuelle FR-Nachfrage von 15, deren Wegfall unterm Strich ökonomischer Verlust bedeute und der noch mehr Reisende auf Stehplätze verdränge. Das Stuttgarter Beispiel habe gezeigt, dass im ICE "die Pünktlichkeit gefährdet" sei, wenn Fahrräder ein- und auszuladen seien. Zudem hätten Radler dieses Angebot schlecht angenommen.

Der ADFC hält dem entgegen, dass die Radmitnahme in den französischen Hochgeschwindigkeitszügen TGV funktioniere und dass deutsche ICE auch ohne Veloabteile oft nicht pünktlich seien. Das von der DB favorisierte Verschicken des Rades samt Reisegepäck zum Ausgangspunkt für Touren scheitert nach den Worten von Sprecherin Cibulski oft daran, dass Velo und Koffer nicht parallel am Zielort ankämen. Die von DB-Sprecher Felser als Alternative genannten Intercitys wiesen in vielen Urlaubsregionen "große Lücken" auf, und die Zukunft der IC-Radabteile sei womöglich auch ungewiss.

Der ADFC will der DB beweisen, dass die Radmitnahme in Hochgeschwindigkeitszügen keine Nachteile mit sich bringt. Zu seinen Protestideen im Rahmen der Kampagne "Jetzt sind wir am Zug" zählt eine "ICE-Besetzung" mit Rädern und der Zusammenbau von Velos im Zug. Denn als in Teile zerlegtes Gepäckstück darf ein Fahrrad im ICE genauso mitgenommen werden wie sperrige Hartschalenkoffer oder Skier.

 Jetzt sind wir am Zug – mehr Information vom ADFC

 

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