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Studie: Naturschäden im Gelände sind eher gering und meist nur von kurzer Dauer
Naturzerstörung "ein vorgeschobenes Argument"
Alexander Kraft , Frankfurter Rundschau vom 22.1.2003
Sie gelten als Prototyp des rücksichtslosen Outdoor-Sportlers, jagen Fußgänger in die Büsche und mähen - angeblich - Flora und Fauna gnadenlos nieder: Mountainbiker. Doch dieses Bild muss kräftig korrigiert werden, zumindest legt das eine vom Umweltbundesamt veröffentlichte Studie nahe. Allerdings, das betonen die Verfasser der Untersuchung von der Deutschen Sporthochschule (DSH) Köln, besteht "Lenkungsbedarf", um ökologische und soziale Probleme zu vermeiden.
Mountainbike-Rennen und Freizeitbiker
Die Studie der DSH beschäftigt sich eigentlich mit der "ökologisch bewussten Durchführung von Großveranstaltungen", sprich Mountainbike-Rennen. Viele Ergebnisse lassen sich aber auf den Freizeitsportbereich übertragen, unterstrich Professor Ralf Roth, Leiter des federführenden Instituts für Natursport und Ökologie.
Das Bundesamt als Auftraggeber zieht aus der Studie das Fazit: "Die erkennbaren Schäden durch Mountainbike-Sportveranstaltungen in der Umwelt - auch bei Großveranstaltungen mit hoher Zuschauerzahl - sind meist gering und von kurzer Dauer." Bei seinen Bewertungen habe sich das Institut am "Leitbild der Nachhaltigkeit" orientiert, sprich: Inwiefern sich die Natur nach einem Rennen regeneriert, ob Ressourcen schonend gearbeitet wurde und ob die Sportveranstaltung sich positiv auf die Entwicklung der Region auswirkt.
Als problematisch gilt bei großen Wettbewerben allerdings, wenn tausende Zuschauer an der Strecke entlang pilgern und unkontrolliert querfeldein laufen, und wenn Freizeit-Biker das Veranstaltungsgelände in der Folge unkontrolliert unter die Reifen nehmen. Auch der Rummel drumherum mit Musik, Sponsorendarstellung etc. wird als Probem für die Umwelt gesehen.
Flurschäden bei Flora und Fauna
Die interdisziplinäre Autorengruppe listet präzise auf, wie und wo das Geländeradeln Spuren hinterlässt. Dabei unterscheiden sie Auswirkungen auf befestigte gegenüber unbefestigten Wegen sowie Flurschäden bei Flora und Fauna.
Während es bei geschotterten Wegen nur geringe Schäden gibt, können die bei Wurzelwegen und Trampelpfaden (Singletrails) sichtbarer ausfallen. "Können", betont Roth, denn es müssen meist mehrere Faktoren zusammentreffen – wie beispielsweise loser Untergrund plus abschüssige Passage – bis eine deutliche Oberflächenerosion eintritt.
Wenn Pflanzen unter Radlern leiden, dann ist es vor allem die Bodenvegetation. Aber auch die kann sich meist schnell erholen, wenn nicht eine Reihe ungünstiger Faktoren zusammen kommen wie stetige (Nach-)Nutzung oder feuchte Bodenverhältnisse. Anders als bei Rennen, wo teilweise gezielt Passagen in zuvor unberührter Natur angelegt werden, bleiben Freizeitbiker meist auf den Wegen - jedenfalls viel häufiger als Wanderer, wie bei einer Untersuchung im Taunus mit jeweils 1000 Befragten aus beiden Gruppen festgestellt wurde. Hinzu kommt, dass bei jeweils üblicher Geschwindigkeit "die Belastung des Bodens und damit auch die Verdichtungswirkung" bei einem Fußgänger ungefähr drei Mal so hoch ist wie bei einem Mountainbiker.
Für Professor Roth ist die den Bikern oft nachgesagte Naturzerstörung "ein mit Sicherheit vorgeschobenes Argument". Viele Probleme seien vermeidbar, zumindest "minimierbar". Er sieht die Mehrfach-Nutzung der Natur und damit die unterschiedliche Interessenlage von Wanderern, Radlern, Jägern, Forstbesitzern oder Bauern als eigentliche Ursache für die schwelenden Konflikte.
Um denen vorzubeugen, müsse "gelenkt" werden - allerdings nicht durch Verbote, sondern durch "positive Angebote". Für Mountainbiker etwa hieße das: Attraktive Streckenführungen - dazu gehörten auch die umstrittenen Singletrail-Passagen -, gute Beschilderung und interessante Etappenziele (Aussichtspunkte, Gaststätten). Dazu müsste man gar nicht bis in die Alpen, auch die Mittelgebirgsregionen "eignen sich in idealer Weise" fürs Mountainbiken.
Mountainbike-Tourismus gleich sanfter Tourismus
Wie solch ein Miteinander aussehen kann, demonstrierten Ende des Jahres der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und der Dachverband der deutschen Wanderervereine VDGW mit einer gemeinsamen Tagung, bei der sie zum Schluss kamen: "Die vielfach zitierten Konflikte beschränken sich in der Realität auf wenige Fälle, und auch die Naturverträglichkeit der beiden Gruppen hat sich als vergleichbar groß erwiesen." Gehandelt werden müsse lediglich bei "Begegnungsstörungen, wenn Radler sich schnell an Wandergruppen nähern".
Unter dem Aspekt des Sporttourismus, und Natursportveranstaltungen spielen nach Ansicht der Kölner Wissenschaftler dafür "eine gewichtige Rolle im Marketing" einer Region, beurteilt das Umweltbundesamt die Geländeradler in seiner abschließenden Bewertung der Studie recht positiv: "Insgesamt erscheint ein spezieller Mountainbike-Tourismus als eine relativ sanfte und mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung zu vereinbarende Form des Tourismus und der Wirtschaftsförderung." Die Multiplikatorenwirkung "vorbildlicher" Veranstaltungen könne "überdies zur Umweltbildung von Freizzeitsportlern beitragen und helfen, die grundsätzlichen Zielkonflikte zu entschärfen."
Die Studie "Ökologisch bewusste Durchführung von Großveranstaltungen - Teilbereich Mountainbiken" ist beim Umweltbundesamt erschienen (Reihe "Texte", Nummer 21/02), kostet 7,50 Euro und ist zu beziehen bei der Firma Werbung und Vertrieb, Ahornstraße 1-2, 10787 Berlin; Telefon 0 30 / 2 11 60 61.
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