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Vor knapp zehn Jahren wurde die Lintorfer Straße dicht gemacht. Seitdem schleppen die Radler ihre Velos über die Gleise. Wo er am sinnvollsten wäre, ist der Fußgängerweg nicht erlaubt.
„Sehen Sie mal, die Matschspuren. Hier fahren jeden Tag Leute mit Fahrrädern durch", beschreibt Jochen Petzschmann von den Grünen die Situation. Er zeigt auf den ehemaligen Bahnübergang der „Kalkbahn" an der Lintorfer Straße. Seit 1993 führt die Straße nicht mehr über die Gleise. Der Weg, der anstelle der alten Landstraße angelegt wurde, endet am Angerbad: vor den Schranken. Hier muss der Fußgänger oder Radfahrer einen 400 Meter langen Umweg machen. Der führt vom geschlossenen Übergang zu einem offenen am Junkersbusch in Richtung der Wasserburg Haus zum Haus.
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Die Radler am verbotenen Bahnübergang Lintorfer Straße. Einige hundert Meter weiter gibt es einen offiziellen Überweg. Der darf aber nicht dort angelegt sein, wo er sinnvoll wäre. RP-Foto: Achim Blazy |
Wer von der Innenstadt mit dem Fahrrad nach Lintorf pendelt, dem muss der verlegte Übergang wie ein Schildbürgerstreich vorkommen. „Ich finde das absurd", schimpft GrünenRatsfrau Edeltraud Bell. „Der alte Übergang war eine natürlich gewachsene Verkehrsführung." Er wird täglich noch „wild" benutzt. „In der jetzt bestehenden Situation ist das aber gefährlich", kritisiert Bell.
Felix Gorris, der am Götschenbeck wohnt, fährt mehrfach täglich mit dem Fahrrad über den toten Übergang. Der Trampelpfad, der sich in den letzten neun Jahren ergeben hat, beweist, wie oft sich Fußgänger durch das Gebüsch schlagen. „Auch die Bepflanzungen oder der Lattenzaun, der hier mal war, haben nichts genutzt", sagt Petzschmann.
Der Umweg zum Junkersbusch wird derzeit neu angelegt. „Das kostet die Stadt 25 000 Euro", sagt Bell. Aber diesen Umweg, auf den die Behörde Fußgänger und Radfahrer zwingen will, benutzten. die wenigsten. Weiterhin wird der bergang am Schwimmbad genommen, auch wenn er verboten ist. Zahlreiche Versuche, ihn als offiziellen Übergang zu reaktivieren, scheiterten jedoch bisher: 500 Unterschriften wurden seit 1993 gesammelt, das Problem in allen Gremien diskutiert.
„Da ist nichts zu machen", kontert Jürgen Kugelmann, Pressesprecher der Deutschen Bahn AG, auf Anfrage dieser Zeitung. „Das EisenbahnKreuzungsgesetz erlaubt keine neuen zusätzlichen Übergänge." Aus Sicherheitsgründen würden sogar noch weitere Fußgänger-Überwege abgebaut. Höchstens Unterführungen oder Brücken seien nach den neuen Vorschriften möglich. „An dieser Stelle einen neuen Übergang zu schaffen ist nicht denkbar. Es besteht überhaupt keine Möglichkeit", erklärte er kategorisch.
Bell versteht nicht, warum aber an anderer Stelle, nur 'wenige hundert Meter entfernt, doch ein neuer Bahnübergang geschaffen worden ist: „Beim Cromford-Museum ist erst vor gut drei Monaten ein völlig neuer Ubergang im Rahmen der Euroga angelegt worden. Warum geht das hier nicht?" Die Bahn will davon nichts wissen. Kugelmann: „Es gibt eben schon mal Ausnahmen." Die GrünenFraktion will diese „Ungerechtigkeit" nicht akzeptieren. Sie wird sich weiterhin für den alten Bahnweg einsetzen.
Bis dahin werden die Pendler, die nach Ratingen wollen, ihr Fahrrad noch schultern und durch den Matsch kriechen müssen.
Kommentar: Ein doppelter Streich
Das ist Bürokratismus reinsten Wassers. Schon bei der Abschnürung der Lintorfer Straße vor den Bahngleisen mit der Aufhebung des Übergangs vor fast zehn Jahren stieß auf ungläubiges Staunen, dass die Bundesbahn an dieser Stelle den Fußgängerüberweg nicht zulassen wollte, ihn aber ein Stück weiter in Richtung Haus zum Haus gestattet. Was an dieser Stelle zu gefährlich erscheint, ist für die Bahn einige hundert Meter weiter völlig unproblematisch. Um aus dem einfachen Schildbürgerstreich einen doppelten zu machen, wurde nun auch noch ein weiterer Überweg angelegt, der eine Verbindung für den Fußweg zwischen Blauem See und Cromford schafft. Da kann man sich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, als läge es nicht an der Bahn allein. Es bedarf schon entsprechender Hinweise aus dem Rathaus, wenn Wünsche dieser Art realisiert werden sollen. Und da hat wahrscheinlich ein cleverer Amtsleiter, der sich um Wanderwege und um die Euroga kümmert, den Bahnübergang zwischen Blauem See und Cromford zuwege gebracht, und um den Übergang an der Lintorfer Straße hat sich nie jemand richtig gekümmert. Aber das lässt sich ja noch nachholen. p.h.
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