Die Fahrradstreife der Ratinger Polizei fährt die Marke Bulls"
Eine Streifenbeamtin schildert ihre Erlebnisse im Dienst
Seit Mai 2005 gibt es die Fahrradstreife bei der Polizei Ratingen. Zunächst
waren es nur drei Beamte, die ihren Dienst auf dem Fahrrad versahen. Im Frühjahr
2006 folgten noch mal drei weitere, zu denen auch ich gehöre. Mir macht diese
wichtige Arbeit als Fahrradstreife bei der Polizei Ratingen mit der Nähe zum
Bürger und entsprechender sportlicher
Betätigung sehr viel Freude.
Gemischtes Doppel auf Mountainbikes: Die Polizeiradfahrer sind mit
einer sportlichen Uniform ausgestattet. Auch sie radeln am liebsten im Grünen.
Alle Polizeiradfahrer sind mit einer sportlichen Uniform ausgestattet: Fahr
radhose, Trikot, Handschuhe – und natürlich darf der Helm nicht fehlen.
Für kühlere Tage gibt es lange Hosen,
lange Trikots und eine Jacke. Dazu kommen noch die für einen Polizeibeamten
üblichen Utensilien wie Handfesseln, Pistole, Pfefferspray und Notizbuch.
Bei den Fahrrädern handelt es sich um gut ausgestattete Mountainbikes, mit
denen man nicht nur prima vorwärts kommt, sondern auch Freude am Fahren
hat. Außerdem verfügen die
Mountainbikes über Radtaschen, in denen alle
wichtigen Formulare und ein mobiler Terminal zum bargeldlosen Erheben von Verwarnungsgeldern mitgeführt werden. So kann
es durchaus vorkommen, dass eine Fahrradstreife im Innenstadtbereich einen
kleinen Verkehrsunfall mit Sachschaden aufnimmt.
Bürgenähe ohne Streifenwagen
Der Schwerpunkt der Radstreifen liegt allerdings in der Bürgernähe. Ohne
den Streifenwagen um mich herum nehme ich die Umwelt ganz anders wahr und
die Umwelt mich. Auf dem Rad kommt es daher häufiger als im Streifenwagen
vor, dass ich von Bürgern direkt angesprochen werde. Oft kommt dabei
anerkennend zum Ausdruck, dass die Polizei mit Einsetzung der Fahrradstreifen neue
Wege beschreitet.
Andererseits ist mir auch schon der Ärger eines Autofahrers entgegen
geweht, weil ich bei meiner allerersten Streifenfahrt auf dem Fahrrad
durch Ratingen West auf der Fahrbahn fuhr und nicht wahrgenommen hatte, dass
der Radweg auf der linken Seite für beide Fahrtrichtungen vorgesehen ist. Sitzt
man im Streifenwagen oder im privaten Pkw, sieht die Welt eben doch etwas
anders aus. Ich hatte bisher nie auf die
Führung der Radwege geachtet, was sich von
diesem Tag an schnell änderte.
Freundliches Verwarnungsgeld
Abgesehen von diesem Erlebnis haben die Bürger nur positiv reagiert, wenn
sie mich gesehen und als Polizistin erkannt haben. Selbst die, welche wegen
eines Verkehrsverstoßes ein Verwarnungsgeld bezahlen mussten, blieben
überwiegend freundlich. Manche waren vielleicht
auch zu überrascht, um den Tatbestand zu leugnen, denn mit einer Polizistin auf
dem
Fahrrad, die plötzlich neben ihrem Pkw steht, haben sie nicht gerechnet.
Neben der Präsenz im Innenstadtbereich und in den Wohngebieten bestreifen
wir Radpolizisten die Grünflächen, wo
man mit dem Streifenwagen nur schlecht oder gar nicht hinkommt. Einer
meiner Lieblingsziele ist dabei der Grüne
See. Immer wieder staune ich, wie viele Erholung suchende Menschen dort schon
morgens anzutreffen sind.
Ob Radfahrer, Jogger oder Walker, sie nicken mir freundlich zu. Manche
geben eine verdächtige Beobachtung weiter,
stellen Fragen oder wollen einfach nur ein paar Worte wechseln. Viele sagen:
Wie schön, dass sie hier sind, jetzt fühle
ich mich sicher." Wenn dann noch die Sonne scheint, könnte ich glatt vergessen,
dass das, was ich gerade mache, Arbeit ist. Ich denke, dass ich mit dem Job als
Fahrradpolizistin sehr privilegiert bin.
Zu einer weiteren schönen Aufgabe
zählt für mich die Schulwegsicherung.
Gerade die Grundschulkinder freuen sich, wenn sie die Polizei auf dem Fahrrad sehen.
Die Autofahrer fahren langsamer und aufmerksamer an den Schulen vorbei,
wenn sie erkennen, dass die Polizei vor Ort ist.
Highlights im Dienst
Es gibt während einer achtstündigen Schicht einiges zu erleben. Ich will
mich hier nur auf wenige Highlights beschränken:
An einem sonnigen Tag im Spätsommer war ich gerade – aus Ratingen Ost
kommend – den Hölender Weg nach Eggerscheidt hochgefahren. Da begegnete
mir ein älterer Herr, der mich freundlich auf eine widersprüchliche Beschilderung
aufmerksam machte. Nach StVO war das Einfahren von der Richtung, aus der
ich kam, verboten, die Hinweisschilder für Radfahrer zeigten aber genau diesen
Weg an. Über diese Fehlbeschilderung kamen wir ins Gespräch und ich erfuhr
darüber hinaus so manche Begebenheit über
den kleinen Ortsteil Eggerscheidt, in dem wirklich jeder jeden zu kennen
scheint. Resultat war ein nettes Gespräch von Mensch zu Mensch und ein Anruf
meinerseits beim Ordnungsamt der Stadt, mit der Bitte diese zur Verwirrung
führende Beschilderung zu ändern.
Kürzlich bekam ich über Funk einen Einsatz mit: Eine Gruppe Teenager
sollte sich in Begleitung von zwei Erwachsenen zu Fuß in Richtung Innenstadt
bewegen, wobei der Anrufer den Verdacht hatte, dass die Jugendlichen nicht freiwillig mitgehen wollten. Ich bot mich
an, diese verdächtige Personengruppe"
zu suchen. Ich konnte sie wenige Augenblicke später antreffen und überprüfen.
Schmunzelnd stellte ich fest, dass der Anrufer nicht ganz unrecht hatte: es
handelte sich um eine Gruppe einer örtlichen Erziehungseinrichtung, von denen
ein paar der Teenager keine Lust auf diesen Ausflug hatten. Noch mehr
schmunzeln musste ich allerdings, als einer der
Teenager bemerkte, dass ich mit einem Fahrrad der Marke
Bulls unterwegs war und damit sofort das Schimpfwort für
Polizisten in Verbindung brachte. Dem Erzieher war das ein wenig unangenehm, wo
er doch seinen Schützlingen beibringt, dass Polizisten eben keine Bullen sind.
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