Neue Fahrradkarte für Ratingen erschienen
Von Joachim Gremm
Im Spätsommer vergangenen Jahres kam die neue
Fahrradkarte Ra(d)tingen in den Buchhandel. Herausgeber ist
das Vermessungs- und Katasteramt Mettmann, unterstützt von der Stadt
Ratingen. Die letzte Fahrradfreizeitkarte unserer Stadt, vor 9 Jahren aufgelegt, war
längst vergriffen, eine Neuerscheinung
überfällig. Mit detaillierten 1:20 000 ist der
Maßstab gleich geblieben.
Die alte Karte war in Zusammenarbeit von Planungsamt und ADFC
entwickelt worden und entsprechend praxisgerecht gestaltet. Da sie kostenlos abgegeben
wurde, waren beide Auflagen schnell vergriffen. Für die neue Karte müssen nun
4,95 Euro bezahlt werden. Wer sie erwirbt und neben der alten ausbreitet, erkennt
schnell, dass teurer" nicht automatisch
besser" heißt. Wald- und Wiesenflächen
leuchten jetzt in Grün. Die in kräftigem Blau
eingezeichneten Radrouten treten deutlich hervor. Doch deren Anzahl hat sich im
Vergleich zur alten Karte deutlich verringert. Hinzugekommen ist allein der für
die EUROGA geschaffene Radrundwanderweg Ratingen. Breit wie eine
Autobahn und tiefblau wie Tinte dominiert er
völlig das Kartenbild.
Für eine Route, die vor Ort lückenlos ausgeschildert ist, erscheint der dicke
Balken doch ein wenig oversized". Dass dafür aber sämtliche
Steigungsangaben entfallen sind, wird der Radler in der
bergigen Hälfte Ratingens schnell vermissen.
Das Hauptärgernis ist die Unterschlagung zahlreicher im Alltag wie in der
Freizeit bewährter Verbindungsstrecken. Dem
ortsunkundigen Radler (an wen sonst sollte die Karte sich richten?) wird damit
einiges zugemutet. Kommt er zum Beispiel auf dem Weg nach Ratingen West die
Minoritenstraße herunter ans Stadion, wird
er über den Stadionring zur Süd-Dakota-Brücke geleitet und auf der
Eurogastrecke auf den Umweg über Tiefenbroich
geschickt. Dass er am Stadion auf der Fußgängerbrücke die Bahn überqueren
und den ganzen Stadtteil gradlinig und praktisch autofrei durchradeln könnte,
bleibt ihm auf der neuen Karte leider verborgen.
Radelt er nach Ost Richtung Auermühle, wird er statt über die Rosenstraße
erst einmal hinab in die Brück geführt, von
wo aus er wieder hochradeln muss zum Bahnübergang. Gut für die Kondition",
könnte man sagen. Die Zahl solcher Fehlweisungen ist hoch, nicht nur im Stadtgebiet.
Auch in Wald und Flur werden landschaftlich reizvolle Routen
unterschlagen. Auf eigene Faust sind solche Strecken
mit der Karte nur schwer zu entdecken, denn bunte, unterbelichtete Fotos von
Schlössern, Parks und Teichen verdecken einiges an Fläche.
Sie sollen vermutlich demonstrieren, wie schön es in Ratingen
ist. Überhaupt ist in die neue Fahrradkarte Ratingen viel vom unklaren Geist des
Stadtmarketing eingeflossen. Ein praxisgerechtes Kartenwerk für den Radfahrer ist
sie jedenfalls nicht.
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