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  Rad-Magazin 2004  

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Thema: Radmitnahme in der Bahn

 Kein Herz für Radler?
 Reisegruppen haben's schwer
 „Haariges Erlebnis“ im DB-Zug

Schlechte Karten bei Fahrradmitnahme im Zug

Kein Herz für Radler?

von Joachim Gremm

„Jetzt sind wir am Zug - Kein Herz für Radler?“ Unter diesem Motto steht eine Kampagne des ADFC für eine verbesserte Fahrradmitnahme bei der Bahn. Die Deutsche Bahn verärgert ihre Rad fahrenden Kunden seit langem, weil Fahrrad-Stellplätze abgebaut werden und Verbindungen wegfallen.

Die Fahrradmitnahme im ICE wurde am 15.12.2002 sogar ganz eingestellt. Bahnchef Hartmut Mehdorn will seine ICEs pünktlich machen, indem er die Radfahrer hinauswirft. Doch die Radler sind bereits seit über einem Jahr „draußen“, und ICE-Züge sind deshalb auch nicht pünktlicher als andere Züge geworden. Pünktliche ICEs will auch der ADFC - und zwar solche mit Fahrradabteilen, wie es sich Zehntausende Kunden der Bahn wünschen. Radurlauber sollen per ICE ebenso schnell in die touristischen Regionen anreisen können wie Fahrgäste, die ohne Rad unterwegs sind.

Wer mit dem Rad unterwegs ist und eine Teilstrecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen möchte, für den häufen sich die Schwierigkeiten, je weiter entfernt das Ziel liegt. S–Bahn, Regionalbahnen und Stadtexpress (SE) bieten – jedenfalls für Einzelreisende und Minigruppen – insgesamt zufriedenstellende Möglichkeiten der Fahrradmitnahme.

Bei Fernzügen wird es schon schwieriger. Beim EC/IC ist nur eine stark begrenzte Zahl von Stellplätzen vorhanden. Man muss vorher reservieren und hat besonders während der Hauptreisezeit oft schlechte Chancen, die gewünschte Verbindung zu bekommen. Eine Fahrradmitnahme im ICE würde solche Engpässe entlasten.

Mit Rad schlechte Karten

Befragt man die Reiseauskunft der Bahn, erkennt man schnell, dass der Reisende deutlich schlechtere Karte besitzt, sobald er sein Rad mitnehmen möchte, da ihm alle ICE-Züge versperrt bleiben. Im folgenden Beispiel sind nur reine Tages– oder Nachtfahrten berücksichtigt mit maximal zweimaligem Umsteigen und einer Gesamtfahrzeit, die im Rahmen bleibt.

Wer von Passau aus den Donauradweg nach Wien erkunden möchte, dem werden von Ratingen tagsüber zwei Verbindungen angeboten (10.32 + 12.32 Uhr). Mit der S-Bahn geht es bis Köln und von dort per EC bzw. IC direkt nach Passau. Da die Fahrzeit nicht viel mehr als 8 Stunden beträgt, hat man bis spätestens 21.00 Uhr sein Quartier bezogen. Als Nachfahrt kommt nur eine Verbindung in Frage: Mit dem Nachtzug von Düsseldorf nach München (etwa 7 Stunden Nachtruhe netto), von dort mit dem RE nach Passau – Fahrzeit ab Ratingen knapp 11 Stunden.

Der Reisende ohne Rad kann tagsüber zwischen 4 zusätzlichen Verbindungen mit ICE wählen, die 60 – 80 Minuten schneller ihr Ziel erreichen als die EC/IC–Züge. Auch für die Nacht bietet sich eine weitere Reisemöglichkeit, die allerdings nur für Frühaufsteher in Frage kommt, da der Zug nur knappe 9 Stunden unterwegs ist und schon um „halb sechs“ Uhr im Bahnhof Passau einläuft.

Ab Ratingen im Zweistundentakt

Auch wer – um ein zweites Beispiel zu verfolgen – von Schwerin aus zu einer Tour durch die Mecklenburger Seenplatte starten möchte, trifft auf eine nur wenig günstigere Situation. In Ratingen kann er ab 9.27 Uhr im Zweistundentakt die S–Bahn nach Essen nehmen und mit dem IC mit Umstieg in Hamburg sein Ziel erreichen (5 Verbindungen, Fahrzeit knapp 5 ½ Stunden). Der Nichtradler kann zusätzlich drei schnellere Verbindungen mit dem MET (Metropolitan) wählen. Der ICE bringt in diesem Fall auf Grund mehrfachen Umsteigens keinen Vorteil. Nachtverbindungen kommen wegen der kurzen Fahrzeit wohl nicht in Betracht.

„Wer zuerst reserviert ...“

Wer eine individuelle Radreise plant, muss sich allerdings vergegenwärtigen, dass auch bei der Bahn das Motto gilt: „Wer zuerst kommt (reserviert), fährt zuerst“. In IC/EC–Zügen stehen in der Regel nur 8 bis 16 Stellplätze für Fahrräder zu Verfügung. Und gerade in den Sommermonaten ist der Andrang in beliebte Radreiseregionen gewaltig. Nur mit einer frühzeitigen Reservierung kann man sich dann seine Wunschverbindung mit Rad sichern. Wer gute Nerven und Beharrungsvermögen besitzt, kann es im Zug auch ohne passende Reservierung drauf ankommen lassen. Ich habe es schon erlebt, dass ein Fahrradabteil im IC überquoll, weil jeder Radler eine blumige Ausrede hatte, und die Schaffner fröhlich mitspielten.

Ins Ausland lieber mit dem Bus?

Ist die Fahrradmitnahme im Zug innerhalb Deutschlands noch einigermaßen zufriedenstellend zu bewerkstelligen, so muss man bei einer Mitnahme des Rades ins Ausland meist hohe Hürden überwinden. Länder übergreifend werden Räder nämlich nur bei wenigen, ausgewählten Verbindungen mitgenommen. Attraktiv sind hier besonders die „CityNightLine“ (www.citynightline.ch), die ihre Fahrgäste nachtsüber zu ausgewählten Zielen in Deutschland, Holland, Österreich und der Schweiz bringt.

Wo die Bahn schwächelt, bietet sich der Bus gern als Alternative an. Unter www.radreisen-online.de findet sich nicht nur das deutsche Angebot an geführten Radreisen versammelt, sondern auch die Bike&Bus–Linien des Euro–Shuttle. Dieser steuert die beliebtesten Reiseziele in Frankreich und Italien an, außerdem ausgewählte Orte in Irland, Wales, Schweden, Polen, Tschechien und Österreich. Man fährt im Bus, das Rad ist im Spezialanhänger sicher untergebracht.

Die eine Lösung: 2 Gepäckstücke

Die europaweit fahrenden Touring-Busse (www.deutsche-touring.com/intro.html) wenden sich eher an die Individualisten unter den Reiseradlern. Da offiziell keine Fahrräder transportiert werden, ist man mit bloßem Rad auf das Wohlwollen des Busfahrers angewiesen, der einen schon mal abweist. Dagegen ist es unproblematisch, wenn das Rad in irgend einer Form Platz sparend verpackt ist.

So kam ich auf meine „Idee mit den 2 Gepäckstücken“: mein Rad in eine Fahrradtransporttasche, die Packtaschen usw. in einen großen Seesack der Bundeswehr zu verpacken. Wer sich für die näheren Umstände interessiert, kann unter www. adfc-ratingen.de/reisen/YU-2003 nachlesen, wie ich damit im Bus ins ehemalige Jugoslawien reiste (und wieder zurück). Das Skurrile an der Geschichte: Geboren wurde die Idee, um im Bus unterzukommen. Doch mit meinen beiden Gepäckstücken kann ich als Reiseradler jetzt auch im ICE mitfahren!

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Kooperatives Zugpersonal bei der DB – dennoch:

Reisegruppen haben's schwer

von Rudolf Meyer

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er meist viel erzählen. Wenn aber eine größere Gruppe mit dem Fahrrad aufbrechenwill, um mit der DB einen entfernteren Startort für die Tour zu erreichen, ist oft schon bei der Planung Schluss.

War die alte Deutsche Bundesbahn noch sehr radlerfreundlich, so haben sich die Verhältnisse bei der DB auf Fernstrecken inzwischen sehr verändert. Die Zeiten sind vorbei, wo man als größere Gruppe unbesorgt die Fahrräder im Gepäckwagen mitführen konnte oder der Interregio uns fast überall hin komfortabel beförderte.

Inzwischen fahren auf den meisten Fernstrecken nur noch ICE ohne Fahrradmitnahme oder EC / IC mit zugabhängiger Fahrradkapazität. Die DB wirbt auf einigen Fernstrecken mit der CityNightLine, hat aber momentan nur Platz für acht Räder. Wochentags ist ein Start vor neun Uhr nur von Fernbahnhöfen aus möglich. Unterschiedlich ist auch die Anzahl der erlaubten Räder in den Anschlusszügen, da das Platzangebot in moderneren Wagen recht unterschiedlich ist.

Plant man trotzdem eine Fernreise für eine Radelgruppe, so begebe man sich möglichst sechs Monate vor Beginn der Reise ins Reisebüro und versuche möglichst viele Plätze zu buchen: maximal sechszehn, minimal acht. Während früher die Größe der Gruppe den Preis bestimmte, kann man nun bereits ab fünf Personen einen günstigen Preis bekommen. Dieser hängt jedoch nicht nur vom Streckenverlauf, dem Zugtyp und dessen Auslas-tung ab, sondern auch von einer möglichst frühzeitigen Anmeldung. Pro Strecke wird zusätzlich eine Reservierungspauschale erhoben. Die Fahrradmitnahme wird zunächst zwar vorgemerkt, kann aber erst drei Monate vor dem Termin bestätigt werden und gilt nur für EC, IC und CityNightLine–Züge. Anschlusszüge wie IRE, RE und Nahverkehrszüge können gemeldet, aber nicht reserviert werden.

Bahnfahren mit dem Rad kann aber auch Spaß machen. So können z.B. mit einer Tageskarte des VVR–Verbundes fünf Personen im Nahbereich preisgünstig reisen. Darüber hinaus bietet sich wochentags das NRW–Ticket an, ebenfalls bis zu fünf Personen. Oder man benutzt das Schöne–Wochenend–Ticket, bei dem allerdings ICE, EC, IC und auch der Nahverkehr ohne Radmitnahme verschlossen bleiben. Für alle Züge benötigt man zusätzlich zum Fahrschein eine Fahrradkarte bzw. im VRR ein Zusatzticket.

Wichtig bei allen Planungen sind die zeitlichen Sicherheitsreserven bei der Benutzung von Anschlusszügen. Mag es in manchen überlasteten Zügen auch schon mal zu Engpässen kommen, so ist bei den Radgruppenreisen ein diszipliniertes Verhalten unbedingt notwendig. So hilft man dabei, den Zugaufenthalt zu verkürzen, wenn man die Fahrräder und separat das Gepäck an der richtigen Stelle abstellt und auf das Zusteigen vorbereitet.

Damit kann man das Zugpersonal erfreuen, anstatt es zu verärgern. In Zeiten, in denen die DB ihre Ausfälle und Verspätungen allen möglichen Umständen anlastet, nur nicht sich selbst, zählen positive Erfahrungen mit dem kooperativem Verhalten des Zugpersonals zu den angenehmsten Erfahrungen. Ein besonders beeindruckendes Beispiel dafür waren meine „haarigen“ Erlebnisse auf einer Bodenseetour. (Siehe nächsten Beitrag)

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Mit einem Professor als Reiseleiter geht es flotter

„Haariges Erlebnis“ im DB-Zug

von Rudolf Meyer

In meinem Beitrag über die umfassenden Schwierigkeiten, die sich einer Radreisegruppe bei der Anreise mit der DB in den Weg stellen (siehe S. 15), habe ich darauf hin gewiesen, dass es oft das kooperative Zugpersonal ist, das die Fahrt erträglich macht. Hierzu möchte ich ein „haariges Erlebnis“ erzählen, das ich und meine Gruppe auf einer Bodenseetour erlebten.

Nach langer Planung hatte ich meine Radlergruppe termingerecht und pünktlich im IC in Richtung Ulm sitzen. Alle waren frohgestimmt und bei bester Laune in der Nähe ihrer Räder untergebracht. Doch dann kam, was kommen musste, nämlich eine Durchsage, der Zug müsse umgeleitet werden und es sei mit erheblicher Verspätung zu rechnen. Ich sah das Unheil schon auf uns zukommen und glaubte auch nicht an die Beteuerungen des Zugpersonals, die Verspätung bis Ulm wieder aufholen zu können, um dort den Anschlusszug noch zu erreichen.

Ich dachte sofort an die im Vorjahr erlebte Situation, wo man uns um Stunden verspätet an unseren Zielbahnhof gebracht hatte, nachdem wir äußerst unkomfortabel und mit mehrmaligem Umsteigen über württembergische Dörfer gefahren waren. Auch die Vorstellung, beim Umsteigen in Ulm in kürzester Zeit ausladen, das Gepäck aufladen und im Dauerlauf über den Bahnsteig und unter den Gleisen durch hetzen zu müssen, um zum korrekten Bahnsteig zu kommen und dort den Zug in der Ferne verschwinden zu sehen, behagte mir gar nicht.

Während die Gruppe die Fahrt genoss, wandte ich mich an den Zugbegleiter, um das Übel so klein wie möglich zu halten. Mein Auftreten gepaart mit Hinweisen und Kenntnissen über die Zuständigkeitsbereiche der DB in Karlsruhe, Ulm und Stuttgart schüchterten den jungen Mann etwas ein. Er versprach, unser Anliegen, unter allen Umständen möglichst pünktlich den Bodensee zu erreichen, dem in Karlsruhe wechselnden Personal mitzuteilen, das uns dann auf dem Laufenden halten werde.

Es verging die Zeit. Ich beschäftigte mich gerade mit den Fahrrädern, um sie in Ulm möglichst schnell aus den Halterungen und in Position zu bekommen, als mich jemand von der Seite mit „Herr Professor“ ansprach und mir mitteilte, er als Zugführer sei informiert worden und versuche, den Anschlusszug aufzuhalten.

Was war geschehen? Vorweg möchte ich erklären, dass ich entgegen den Trend meine grauen Haare nicht kurz geschoren trage, sondern lang und offen und deshalb schon öfters mit Spitznamen versehen wurde. Als der Zugführer nun zu der Gruppe kam und einen Mitradler informieren wollte, kam trocken der Kommentar, damit habe er als Mitglied der Reisegruppe nichts zu schaffen. Der Zugführer solle sich an den Reiseleiter wenden, den Professor mit den langen Haaren.

Was als Witz gemeint war, gereichte der Gruppe zum Vorteil. Nachdem ich blitzschnell mein Auftreten meiner Titulierung angepasst und die Notwendigkeit eines möglichst pünktlichen Eintreffens nochmals betont hatte, ging fortan alles wie geschmiert. In Ulm, wo wir mit starker Verspätung ankamen, erwarteten uns schon fleißige Helfer. Das Gepäck wurde auf Elektrokarren verladen. Wir aber durften mit Begleitschutz unsere Räder über die Gleise zum entfernten Bahnsteig bringen und konnten unter den Augen der staunenden Fahrgäste im auf uns wartenden Anschlusszug unsere Reise fortsetzen.

Fast pünktlich erreichten wir unser Ziel mit der Erkenntnis, dass bei der DB nicht alles schlecht funktioniert. Es sind nur die besonderen Umstände, die berücksichtigt werden müssen, wenn eine größere Gruppe von Radlern mit der DB auf „Bildungsreise“ geht.


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