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Von Dr. Erika Münster
40 Radlerinnen und Radler versammelten sich am Stadionring, um die Herrensitze an der Anger mit uns zu erkunden. Der letzte Sonntag im August hatte strahlenden Sonnenschein gebracht und das Interesse an der Region ist ohnehin seit Jahren ungebrochen.
Aufgrund der natürliche Gegebenheiten bot es sich früher an, Höfe und Burger in der Nähe des Flußlaufs zu errichten, denn die Anger bot strategischen Schutz, weil sie ohne eine Brücke nicht ohne weiteres zu überqueren war. Heute bietet eine solche Radtour eine kleine Reise in die Vergangenheit, die so manchen überrascht.
Die erste Station, die Burg „Haus zum Haus“, war allen gut bekannt, aber schon die Kellnerei in Angermund gab Anlaß zu vielen Fragen. Allein schon die Bezeichnung – mit „Kellner“ in der Gastronomie hat sie wohl nichts zu tun? Der Kellner hatte die Einkünfte des Landesherren, hier der Grafen bzw. Herzöge von Berg zu verwalten. Das Wort ist lateinischer Herkunft: Dem „cellarius“ unterstand die früher so wichtige Vorratskammer. Heute befinden sich in dem historischen Altbau, dessen Außenmauern bis zu 2,70 m dick sind, Eigentumswohnungen.
Durch spätsommerliche Felder radelten wir weiter nach Heltorf, wo wir am Hauptportal, zu welchem eine steineren Brücke führt und das mit dem Wappen der Familie von Spee geschmückt ist, stehen blieben, um uns die Architektur der Anlage von außen anzusehen. Wurde ein Geschlecht „Heltorf“ schon im 12. Jahrhundert erwähnt, so ist die Geschichte des jetzigen Schlosses noch nicht so alt:
Nachdem 1504 ein Vorgängerbau niederbrannte, begann 1669 ein vollständiger Umbau des Schlosses mit Vorburg und Herrenhaus. Die wunderbaren Bäume des Parkes, der das Schloß umgibt, zeigten sich an diesem herrlichen Nachmittag schon in einer spätsommerlichen Färbung, und auch auf dem weiteren Weg nach Winkelhausen konnten wir die Natur in verschwenderischen, den Herbst schon ahnen lassenden Farben genießen.
Groß-Winkelhausen ist ein mittelalterlicher Rittersitz, der heute u.a. als Reiterhof genutzt wird. Bevor man die Toreinfahrt zu dem Gutshof erreicht, kommt man noch an der liebevoll restaurierten Barockkapelle vorbei. Einen Blick in den Innenhof von Groß-Winkelhausen sollte man nicht versäumen, Fachwerk und bepflanzte Laufbalkone machen ihn zu einer Augenweide.
Wer sich für Krimis interessiert, dem sei der Band von Doris Mendlewitsch (Hg.), Von Mönchen, Mägden und Gesinden, Düsseldorf 1995, empfohlen. In diesem Band mit „Krimis aus dem Mittelalter“ findet sich die Erzählung „Ein Ehrenwertes Haus“, deren Schauplatz Groß-Winkelhausen und andere Orte der Umgebung sind. Hier befand sich nämlich um 1700 ein Siechenhaus, in welchem sich eine Bande versteckt hatte, die von dort aus mehrere Morde in Ratingen und Umgebung durchführte - dies ist historisch belegt.
Weiter ging es die Anger entlang - allerdings fährt man nicht direkt neben, sondern in der Nähe des Flusse, bis wir mit Haus Böckum ein fast allen Teilnehmern unbekanntes Ziel erreichten. In naher Sichtweite sind die schon zu Duisburg gehörenden Industrieanlagen. Haus Böckum wurde im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt und hat für einen Gutshof eine ungewöhnliche Architektur, die auf eine kleine, ehemalige Wasserburg verweist. Letzte Spuren des ausgetrockneten Grabens lassen sich für jeden Betrachter auch heute noch deutlich erkennen. Das Federvieh, das im Hofinneren herumläuft, verweist auf die landwirtschafttliche Nutzung und den Direktverkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse.
Einen wichtigen Herrensitz an der Anger, der sich an der nicht mehr weit entfernten Mündung befand, nämlich Angerort, konnten wir leider nicht mehr besichtigen. Er wurde schon zu Beginn des Jahrhunderts durch das Mannesmann-Blechwalzwerk, das dort seine Produktion begann, zerstört. Und so können wir uns eigentlich nur wundern, daß es in unserer Gegend noch heute so romantische Herrensitze gibt, wie wir sie eigentlich nur im Urlaub erwarten.
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