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Keine Wunderteile, aber dennoch ein technisches Kunstwerk
Rohloff Speedhub 500/14 - Maschinenbau vom Feinsten
Meine persönliche Erfahrung mit der Nabe
Modernen Gangschaltungen mit ihren vielen Gängen helfen dem „Motor Mensch", seine Kraft so effizient wie möglich einzusetzen. Weniger Kraft bei häufigerer Umdrehung der Pedale lautet die Devise. Das ist für die Gelenke besser und ermöglicht eine optimale Energieverwertung im menschlichen Körper. Mehr Gänge bieten neben einem großen Übersetzungsbereich auch eine feinere Gangabstufung. Damit lässt sich die Ubersetzung auch bei Gegenwind oder Anstieg noch besser an das persönliche Leistungsvermögen anpassen.
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Kettenschaltungen waren hier gegenüber Nabenschaltungen bisher im Vorteil. Sie boten den größeren Übersetzungsbereich und mit mehr Gängen die feinere Gangabstufung, auch wenn bei den heute üblichen 24 und 27 Gängen tatsächlich nur 12 bis 14 verschiedene Über- setzungen vorkommen. Ist die Kette sauber und gut geschmiert, haben Kettenschaltungen nur geringe Reibungsverluste. Dafür müssen sie häufig gepflegt und gewartet werden und verschleißen schneller. Hier sind Nabenschaltungen deutlich im Vorteil.
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Die 14-Gang-Nabenschaltung von Rohloff: Leistung einer 27-Gang-Kettenschaltung, aber robuster. Die Vorteile der Ketten- mit denen der Nabenschaltung verknüpft hat Bernd Rohloff, vorher bekannt durch seine Hochleistungsketten, in seiner 14-Gang-Nabe Speedhub 500/14. Bei der Vorstellung des Prototyps 1996 von der Fachwelt noch ungläubig als „Wundernabe" bezeichnet, läuft sie inzwischen in Zigtausenden Fahrrädern, vom Mountainbike bis zum City- und Reiserad.
Die Speedhub birgt jedoch keine Wunderteile. Rohloff hat nur systematisch und konsequent Maschinenbau betrieben und die Nachteile bestehender Nabengetriebe ausgeschaltet. Mit zwei gleich aufgebauten, spiegelbildlich angeordneten Planetengetrieben erzeugt er sieben verschiedene Übersetzungen. Ein drittes Planetengetriebe kann vorgeschaltet werden. So entstehen die unteren sieben Gänge, macht zusammen 14.
Das technische Kunstwerk liegt in vielen kleinen Details, die Rohloff optimiert hat. Um die- Reibungsverluste zu minimieren, läuft das Getriebe im Ölbad. Alle Zahnräder sind nadelgelagert. Die Zähnezahlen wurden so gewählt, dass nur minimale Reibung entsteht. Außerdem sind die Zahnräder nicht gesintert, sondern gefräst und gehärtet. Das bringt, nicht nur leichteren Lauf, sondern vor allem größere Festigkeit für die hohe Beanspruchung im sportlichen Einsatz. Aluminium-Gehäuse, Zahnräder aus hochwertigen Getriebewerkstoffen wie im Automobilbau, hohl gebohrte Achsen und die Ausführung nicht tragender Teile in Aluminium und Kunststoff tragen zum erstaunlich niedrigen Gewicht bei.
Knapp 1,7 kg wiegt die Nabe, nur 200 g mehr als eine hochwertige Kettenschaltung. Damit ist sie eine echte Konkurrenz und eröffnet der Fahrradtechnik insgesamt neue Möglichkeiten wie z. B. die Kapselung des gesamten Antriebs, ohne auf viele Gänge und sportliche Fahrweise verzichten zu müssen.
Peter Barzel, Frankfurter Rundschau
Informations-Seite des Herstellers: www.rohloff.de
Meine persönliche Erfahrung mit der Nabe
von Joachim Gremm
Nachdem mein altes Reiserad, ein klassischer Randonneur, 14 Jahre auf den Felgen hatte, schaffte ich mir Anfang 2003 ein neues, "balkantaugliches" an, das Cabonga RO von Villiger. Somit war der Rahmen bereits auf die Rohloff-Nabe abgestimmt.
Alltags- und reisetauglich
Bis heute (Oktober 2003) bin ich damit mehr als 3000 km gefahren, davon etwa je die Hälfte im Alltagsbetrieb (vor allem Fahrten zur Arbeitsstätte) und auf einer Radreise quer durch das ehemalige Jugoslawien. In beiden Bereichen hat sich die Nabe voll bewährt.
Im Alltag kommt vor allem der geringe Wartungsbedarf zum Tragen (gelegentliches Ölen der Kette, 1 Mal Nachspannen). In den Schluchten und über die Pässe des Balkan überzeugte die Zuverlässigkeit, das ausgewogene Gangspektrum sowie die Möglichkeit, beim Schalten beliebig viele Gangstufen überspringen zu können. Die Möglichkeit, mit einer kurzen Drehung am Schalter vier oder fünf Gänge ohne Tretkurbeleinsatz herunterzuschalten, hat mir besonders in schwierigen Schotterpassagen das Im-Sattel-bleiben sehr erleichtert. Immerhin hingen am Rad mehr als 20 kg Gepäck.
Zu „schnelle" Primärübersetzung
Villiger liefert das Rad mit einem 46-er Kettenblatt und einem 16-Ritzel aus, was in etwa der Praxis anderer Hersteller entspricht. Für ein Reiserad mit 26-Zoll-Laufrädern ist dies jedoch eine zu „schnelle" Primärübersetzung, ebenso für ein 28-Zoll-Tourenrad. Im Radelalltag stellt man nämlich schnell fest, dass man praktisch nie in den 13. und 14. Gang kommt, auch der 12. Gang bliebt meist oben liegen.
Ich habe daher mit einem 42-er Kettenblatt und einem 17-Ritzel die kleinste von Rohloff zugelassene Kettenübersetzung montiert. Damit kann ich in einem Bereich von Schrittgeschwindigkeit bis etwa 45 km/h aktiv treten. Die oberen Gänge dienen vorwiegend dazu, vor einer Senke tüchtig Anlauf zu nehmen, um das erste Stück der folgenden Steigung leichter zu bewältigen.
Der ominöse siebte Gang
Schaltet man vom achten in den siebten Gang, hat man zunächst einen kleinen Widerstand zu überdrehen - und schon entwickelt die Nabe ein besonderes Eigenleben: Man hört deutlich eine Art Schleifgeräusch und in den Fußballen kitzeln leichte Vibrationen. Die Wirkung auf den Radler ist eine vorwiegend psychologische: Man hat das Gefühl, dass die Nabe „irgendwie" bremst. Konzentriert man sich beim Treten statt aufs Gehör aber auf die Beine, ist keine Beeinträchtigung zu spüren.
Ursache des Phänomens ist keine „Kinderkrankheit", wie manchmal behauptet wird, sondern das dritte Planetengetriebe, das zugeschaltet worden ist (siehe oben) und sich im siebten Gang besonders schnell dreht. Beim Weiterschalten nach unten nehmen Geräusch und Vibrationen schnell ab.
Daneben besteht ein enger Zusammenhang mit der Rahmenkonstruktion. Während bei meinem Stahlrahmen mit relativ geringem Rohrdurchmesser die Nebengeräusche des siebten Ganges sich im Rahmen (!) halten, entwickelt der Alurahmen eines Freundes einen beachtlichen Power-Sound. Das armdicke Unterrohr wirkt offenbar wie der Resonanzkörper einer Violine.
Auch mit Stahlrahmen kann ich an mir die Tendenz beobachten, den siebten Gang zu meiden. Hier brachte der Umstieg auf die langsamere Übersetzung eine überraschende Erleichterung. Jetzt nehme ich selbst eine Brücke über die Autobahn im achten Gang. Im Alltagsbetrieb ohne Gepäck ist es nur noch selten notwendig, tiefer zu schalten.
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