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Für Radtouren zu empfehlen: nur 3 Lenkerformen

Die natürliche Haltung der entspannten Hände

Von Gerd Buchner und Joachim Gremm

Für unsere Zwecke, also für Radtouren, kommen eigentlich nur drei Lenkerformen in Betracht: Trainingsbügel, Randonneur und - als neuste Enwicklung - der Multipositions-Lenker. Alle drei ermöglichen einerseits eine gute Sitzposition und andererseits eine entspannte Handhaltung.

Die natürliche Haltung der entspannten Hände kann jeder selbst testen: Man stelle sich und lasse die Arme hängen, alles ganz locker. Siehe da: Die Handflächen zeigen nach innen und die Daumen nach vorne! Winkeln wir die Arme jetzt leicht an, sehen wir in etwa, wo die Lenkergriffe „natürlich“ zu sein hätten. Jede Abweichung von dieser Handhaltung führt zu Verspannungen und daher zu vorzeitiger Ermüdung. Die Breite des Lenkers sollte aus diesem Grund auch in etwa der Schulterbreite entsprechen.

TrainingsbügelDer Trainings- oder Sportbügel ist vor allem für Alltagsräder zu empfehlen, mit denen viel Stadtverkehr bewältigt werden soll. Bei - gegenüber dem MTB-Lenker - entspannter Hand- und Armhaltung ergibt sich eine relativ aufrechte Sitzposition, wodurch ein sehr guter Überblick über den Verkehr gewährleistet wird. Für längere Touren ist diese Sitzposition jedoch weniger zu empfehlen, weil in ihr Wirbelsäule, Sitzfläche und andere Körperpartien stärker belastet werden.

Für „echte" Reiseräder ist die klassische Rennlenker-Form (Randonneur) am besten geeignet.Randonneur Verschiedenen Griffpositionen ermöglichen dem Radler, seine Körper-, Arm- und Handhaltung unterschiedlichen Gegebenheiten anzupassen. Er kann sich nicht nur aus dem Gegenwind ducken, sondern auch am Berg durch Ziehen am Lenker mehr Kraft ausüben. Die variablen Griffpositionen, die der Randonneur zulässt, beugen außerdem dem gefürchteten Radfahrersyndrom vor (siehe unten).

Der Multipositions-Lenker

In den letzten Jahren werden Tourenräder zunehmend mit dem Multipositions-Lenker ausgestattet, der unsinnigerweise manchmal als „Multifunktions-Lenker" Multiposizionebezeichnet wird. Er stellt in gewissem Sinn einen Kompromiss zwischen Trainingsbügel und Randonneur dar: Wie der Rennlenker ermöglicht er sehr unterschiedliche Griffpositionen. Wie der Trainingsbügel unterstützt er eine eher aufrechte Sitzhaltung mit deren Vor- und Nachteilen. Mit einem passenden Schaumstoff überzogen, bietet er einen angenehmen Griff und absorbiert kleinere Stöße. Seine Stärke liegt auch darin, dass er mit sehr variablem „Anstellwinkel" (von flach bis extrem steil / nach vorn oder nach hinten) montiert werden kann und so jeder individuellen Vorliebe entgegenkommt.

Multipositions-LenkerAus einem mir unbekannten Grund fallen die meisten Multipositions-Lenker ungewöhnlich ausladend aus und weisen mit 58 cm eine Breite auf, die weder ergonomisch ist noch im Sinne der Verkehssicherheit (z.B. Begegnung auf schmalem Radweg!). Als ich zum ersten Mal einen solchen Lenker anfasste, kam ich mir vor, wie Käpten Ahab am Harpunen- Schießapparat. Mein Fahrradhändler hat mir daraufhin ein schlankeres Modell von Modolo (50 cm Breite) montiert, mit dem es sich richtig gut fährt.

Mit MTB-Lenker zum Radfahrersyndrom

Besonders bei längeren Touren kann man durch Wechseln der Griffhaltung vehindern, dass Ermüdungserscheinungen und das gefürchteten Radfahrersyndrom (dauerhaftes „Einschlafen" einiger Finger) auftreten. Diese Probleme treten erfahrungsgemäß vor allem bei langen Touren mit MTB-Lenkern auf. Die Ausstattung mit „Hörnchen" mindert das Problem etwas, die Ergonomie der drei empfohlenen Lenkerformen wird jedoch auch hierdurch nicht erreicht.

MTB–Lenker, die häufig zu breit sind, haben also nicht nur aerodynamische Nachteile. Obwohl ein MTB mit einem Trainingsbügel oder gar Touristikbügel komplett „uncool“ wirken würde, sei ein Versuch empfohlen. Dies wäre mit Sicherheit besser als angeschraubte „Hörnchen“, die einen Abstand von 1,5–facher Schulterbreite haben. Von da ist es auch nicht mehr weit zu mitunter bizarren „Gesamtkunstwerken“ mit Unterarmstützen, Kinnhalter, Handy–Halterung, Bordcomputer etc.

 

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