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Kleine Exkursion in die Technik moderner Fahrradbremsen
Felgen- und Nabenbremsen als Alternative
Es ist noch gar nicht so lange her, da galt die Rücktrittbremse als eine Art Lebensversicherung für Radfahrer. Einfach zu bedienen, funktioniert sie auch ohne viel Pflege jahrelang und bei jedem Wetter. Damit war sie der Felgenbremse lange Zeit überlegen, und deshalb ist sie in Deutschland immer noch so beliebt. Doch
moderne Fahrradbremsen wie V -Bremsen, Rollen- oder Scheibenbremsen haben eine
deutlich höhere Bremswirkung als die alte Felgen- oder die Rücktrittbremse. Welche
Bremse man bevorzugen sollte, hängt vom Einsatzzweck, vom Fahrradtyp und vom
Fahrergewicht ab.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Felgen- und Nabenbremsen.
Felgenbremsen sind einfach einzustellen und sehr leicht. Dafür verschleißen die Felgen, die als „Bremsscheibe" dienen. Neue Felgen haben jetzt eine Verschleißmarkierung, zum Beispiel eine Rille, die anzeigt, wann die Felgenflanken abgebremst sind. Bei Rennrädern mit ihren schmalen Reifen werden noch immer Seitenzugbremsen eingesetzt, die zur besseren Hebelübersetzung doppelt gelagert sind (Dual Pivot).
Alle anderen Räder werden heute mit V-Bremsen ausgestattet. Damit leichte Fahrer bei Schreckbremsungen nicht über den Lenker gehen, sollte eine einstellbare Bremskraftbegrenzung integriert sein. Bei Bremsen von Avid ist dies stufenlos per Stellschraube möglich. Andere Hersteller bieten Bremsgriffe mit zwei unter
schiedlichen Ubersetzungen an.
Nabenbremsen - dazu zählen außer der Rücktrittbremse auch Trommelbremsen wie die Rollenbremse und die Scheibenbremse - sind witterungsunabhängig. Außerdem können die beiden Reibpartner, Bremsbelag und Scheibe oder Trommel, optimal aufeinander abgestimmt werden. Dafür sind an Nabenbremsen (wegen des geringeren Bremskreisradius) höhere Reibkräfte erforderlich, die zudem - anders als Felgenbremsen - an den Enden des Rahmens angreifen und deshalb Rahmen und Vorderradgabel erheblich höher belasten. Diese müssen folglich entsprechend stärker ausgelegt sein, was zu einem höheren Gewicht des Rades führt.
Durch die größere Reibung auf kleinerer Bremsfläche entsteht bei Nabenbremsen auch mehr Wärme, die abgeführt werden muss. Trommelbremsen wie Shimanos Rollenbremse oder die beliebte Rücktrittbremse sind zwar besonders wartungsarm, eignen sich aber wegen der schlechten Wärmeabfuhr weniger für lange Bergabfahrten, besonders bei hoher Zuladung. Dann besteht die Gefahr, dass die Bremse heiß läuft und versagt.
Bei Shimanos neuen Rollenbremstypen mit V-förmigen Bremsklötzen und großer Kühlscheibe ist das allerdings kein Problem mehr. Ebenso wenig bei Scheibenbremsen, die wesentlich schneller abkühlen. Sie werden zwar deutlich heißer als Felgenbremsen, doch halten sie die Wärme fern von Felge und Schlauch, der bei zu hoher Wärmeentwicklung durch Felgenbremsen platzen kann. Wer sich für eine Scheibenbremse entscheidet, muss allerdings bei all ihren Vorzügen gelegentlich ein Schleifgeräusch in Kauf nehmen.
Leichtgängigkeit und Wirkung einer Bremse hängen aber auch von der Art der Kraftübertragung zwischen Bremsgriff und Bremszange ab. Zwar mindern moderne Edelstahlseile, Innenhüllen aus Kunststoff, das Vermeiden enger Bögen und eine gute Schmierung den Reibungswiderstand erheblich, doch eine hydraulische Kraftübertragung ist trotzdem leichtgängiger, außerdem besser zu dosieren, wartungsfrei, und sie friert im Winter nicht ein. Führend bei hydraulischen Fahrradbremsen ist der schwäbische Hersteller Magura, für hydraulische Felgenbremsen ist er der einzige auf dem Markt.
Maguras hydraulische Scheibenbremse Julie eignet sich auch für Trekkingräder gut. (Werkbild)
Homepage des Herstellers: www.magura.de
Peter Barzel, Frankfurter Rundschau vom 23.7.2003
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