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  Rad-Magazin 1998  

Fünf Tage dem Tauern-Radweg gefolgt

Über Pässe zum Hochmoor

Von Erwin Hafenrichter

Am 26.07.1997 ging’s mit dem Fahrrad im Nachtzug um 23.00 Uhr von Düsseldorf nach München, wo ich um 07.15 Uhr ankam. Da viel Platz im Zug war, konnte man auch im normalen Abteil einigermaßen schlafen. Nach zweimaligem Umsteigen (Rosenheim, Kufstein) war ich um 10.10 Uhr pünktlich in Jenbach am Inn.

   

Von hier radelte ich ins Zillertal, wo mich ein ebener und schöner Radweg entlang der Ziller bis Zell am Ziller brachte. Jetzt fuhr ich weiter Richtung Gerläspass. Nach mehrmaligen Pausen mit herrlichen Blicken zurück ins Zillertal schaffte ich das erste anstrengende Teilstück. Später folgte eine Flachetappe, bevor nach dem Stausee der letzte Anstieg zum Pass erfolgte. Leider war viel Ausflugsverkehr unterwegs, vor allem Motorräder.

Die Mautstrecke über das Hochmoor brachte mich auf über 1600 m, bevor die Abfahrt nach Krimml mit Blick auf die Wasserfälle begann. Nach einem Besuch der beeindruckenden Wasserfälle fand ich problemlos eine Frühstückspension in Oberkrimml.

Bei leichtem Gegenwind ging’s am nächsten Morgen talabwärts, immer wieder mit Blick auf schnee- und teilweise wolkenbedeckte Dreitausender. Ohne große Rast war ich schon um 14.00 Uhr in Kaprun, doch für eine Besichtigung der Stauwerke war es bereits zu spät. So bezog ich hier Quartier und drehte eine gemütliche Runde um den Zeller See. Nach einem tollen Frühstücksbüffet ging’s am 29.07. zunächst ohne Gepäck zur Talstation Kitzsteinhorn. Von dort gelangt man in 25 Minuten mit der „Schrägbahn“ und der Seilbahn auf 3 000 Meter. Doch die Quellbewölkung war schneller, so dass die Sicht auf den Großglockner meist versperrt war. Da ich unter all den Wintersportlern hier am Gletscher fehl am Platze war, kehrte ich bald wieder ins Tal zurück.

Mit Gepäck radelte ich dann weiter zum Kitzlochklamm bei Taxenbach. Hier wandert man über Stege am engen Fels neben dem tobenden Wasser. Am Abend in Bischofshofen, im Schatten von Hochkönig und Tennengebirge führte der obligatorische Spaziergang zur berühmten Skisprungschanze. Auffallend: der Friedhof liegt nur etwa 500 Meter von der Schanze entfernt.

Am darauffolgenden Morgen führte der Radweg, teilweise auf der Bundesstraße, zum Pass Lueg, wo sich eine Besichtigung der Salzachklamm anbot. Weiter abwärts – aus den Bergen heraus – war ein Abstecher ins Bluntautal sehr lohnend. Über Hallein und die Brauerei Kaltenhausen fuhr ich schnell nach und durch Salzburg. Es war gerade Festspielzeit, so dass die Stadt voll war von Besuchern. Durch die Auwälder ging’s danach 15 langweilige Kilometer geradeaus nach Obemdorf.

Am 31.07. radelte ich am Morgen nicht weiter auf dem Radweg, sondern auf direktem Weg zum Ibm-Moor und schließlich, wieder auf dem Radweg, über Braunau ins hübsche Schärding. Am Abend war ich dann in Passau, wo ich problemlos einen IC mit Fahrradmitnahine nach Nürnberg erreichte (19.25 Uhr), dem Ende meiner Reise. Dieser Zug fuhr übrigens weiter bis Düsseldorf.

Anmerkungen:

Meine Ausrüstung: 21-Gang Tourenfahrrad mit wasserdichten Gepäcktaschen und Lenkertasche; Karten (1:150.000) und Radtourenbuch „Tauern Radweg“ von Esterbauer.

Der Gerlospass ist sicher nicht der bequemste Einstieg für die Tour, doch ist das Inntal von Deutschland aus gut mit der Bahn zu erreichen. Man kann aber auch über Zell am See die Bimmelbahn nach Krimml nehmen. Die Ausschilderung des Radweges ist vorbildlich, so daß zum Auffinden des richtigen Weges kein zusätzliches Kartenwerk nötig ist.

Übernachtungsmöglichkeiten sind reichlichst vorhanden und dies zu günstigen Preisen (Privatpensionen: 200 - 350 ÖS für ÜF im EZ). Immer wieder findet man den Hinweis „Radfahrer willkommen“, so dass es kein Problem ist, als „Oanochtler“ unterzukommen.

Die Strecke insgesamt (Krimml-Passau) ist meist eben, einzelne Steigungen sind kurz, 21 Gänge dann doch hilfreich. Der Streckenabschnitt Salzburg-Passau führt zwar durch einige hübsche Ortschaften, ist landschaftlich jedoch wenig spektakulär. Es empfiehlt sich daher nur bis Salzburg zu radeln oder der Dramaturgie wegen, noch besser, von Salzburg nach Krimml. Eine andere Variante wäre die Anfahrt mit der Bahn (oder Auto) nach Zell am See. Von hier aus kann man die Salzach entlang bis Salzburg und über das Saalachtal zurück radeln. Die Beschreibung hierfür ist ebenfalls im erwähnten Radtourenbuch enthalten. Die Tour nach Krimml empfiehlt sich dann als Tagesausflug (Bimmelbahn).

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