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  Rad-Magazin 2001  

Reisebericht von der AFDC-Tour nach Dänemark und Süd-Schweden 2000

Zum Geburtstag ein Picknick am Meer

von Marianne Walter

Wann merke ich, dass mein Mann die nächste große Reise vorbereitet? Wenn ich gegen eine Wand spreche, Antworten nur spärlich kommen und oft mit dem Zusatz „später, ich muss gerade etwas überlegen“. An vielen Abenden verkriecht sich mein Mann in sein Zimmer, will nicht gestört werden, auf den Boden liegen Fahrradkarten und daneben ein kleines Rad, womit er die Strecken ausradeln kann.

In den folgenden Tagen kommen mit der Post dicke Umschläge, Informationsmaterial von allen möglichen Gegenden, meist aus dem Norden. Eine Zahlkarte liegt auch immer dabei, anhand der Kontoauszüge sehe ich, dass die Bitte der Gemeinden zwecks Portobegleichung prompt bezahlt werden. Ich glaube, erstmalig hatte er bei der versnobten Sylter Gesellschaft Schwierigkeiten, denen das Geld hinterherzuwerfen.

Mein Mann bereitet eine Tour ein bis anderthalb Jahre im voraus vor. Über die Streckenführung brütet er nicht zu zählende Stunden. Dazu kommen viele, viele Telefonate, Emails, Faxe u.s.w. Denn es soll auch keine 08/15-Tour werden. Nein, sie muss naturnah sein, für jedermann erschwinglich und die Gruppe soll sich auf der Tour geborgen fühlen. Doch jetzt zur letztjährigen Tour.

Dabei hatten wir unseren Wolfgang, groß und kräftig, er passt gerade mal durch einen Türrahmen. Toll, wie er uns im

Zug mit Sekt begrüßt. Sehr zerbrechlich wirken die Gläser in seinen großen Händen. Der Zug kam pünktlich in Hamburg an, doch dort ging unser Zeitpolster durch eine Betriebsstörung verloren. Mit knapper Not bekamen wir noch am gleichen Nachmittag unsre Räder auf die Fähre von Rostock-Warnemünde nach Gedserf auf der dänischen Seiten. Spät am Abend erreichten wir todmüde die Familienherberge in Nyköbing.

Günter hat Geburtstag

Am anderen Morgen hatte Günter Geburtstag. Er hat es sichtlich genossen, von so vielen Frauen geküsst zu werden. Morgens erklärt mein Mann immer die Tagesroute. Die Karte liegt auf dem Tisch und dann folgt jedes Mal die Frage: „Wollen wir einfach fahren oder die etwas weitere, aber viel, viel schönere Strecke radeln?“. Mittlerweile kenne ich die Leute und weiß, dass die Antwort immer eindeutig ausfällt: „Zum Wasser und die schöne und weite Strecke“. Verdammt noch mal, eine kurze Strecke kann doch auch schön sein. Zum Glück haben Regine und ich unseren Wolfgang, der wie wir schöne und kurze Strecken mag. Hier und da kürzen wir ab und bereiten am Ziel die Quartiere vor.


Rast an der Ostsee - "Wenn es irgendwo besonders schön ist, kann es auch passieren, dass wir erst sehr spät zum Quartier kommen."

Die Route verlief über Stubbeköbing zur Fähre auf die Insel Bogö und dann über einen schmalen Damm zur Insel Mon. Bei einem Picknick am Meer wurde noch mal auf Günters Geburtstag angestoßen. Am späten Nachmittag fuhren wir über eine lange Brücke auf die Hauptinsel Seeland. Auf der anderen Seite stand eine große weiße Kirche. Wir gehen hinein, die Orgel setzt ein und der Organist spielt eine halbe Stunde nur für uns. Dann bekommen wir auch noch Kaffee und Gebäck.

Wenn es irgendwo besonders schön ist, kann es auch passieren, dass wir erst sehr spät zum Quartier kommen. Diesen Spruch von meinem Mann habe ich schon oft gehört: „Der eine oder andere möchte sich noch dies oder das anschauen.“ Wenn ein Tag dafür nicht reicht, nehmen wir auch noch die Nacht dazu. Diese Ruhe möchte ich einmal haben. Einmal war es wieder etwas später geworden. Wolfgang ist als Quartiermacher vorgefahren, bediente sich in der Familienherberge am Schlüsselbrett und bereitete unsere Quartiere vor. Leider hatte er sich am Schlüsselbrett vergriffen und wir landeten in etwas besseren „Hundehütten“.

Hardrock in Kopenhagen

Kopenhagen haben wir durch Ingrid Weber kennen gelernt. Eine sehr aufregende und schöne Stadt mit einem besonderen Charakter. Was Hardrock ist, lernten wir von Wolfgang. Die Fahrt mit der Nachtfähre von Kopenhagen nach der Insel Bornholm war ein tolles Erlebnis. Bornholm ist eine wunderschöne Insel. Das Wetter spielte mit und hier wäre ich gerne ein paar Tage länger geblieben.

Die ganze Insel haben wir umfahren. Hoch im Norden zwischen den Klippen gibt es ein Plätzchen zum Verlieben. Nach ein paar Tagen brachte uns ein Katamaran nach Südschweden.

Wir befuhren die Küstenlinie von Ystad nach Trelleborg. Leider fehlte teilweise ein Fahrradweg. Auf uns wartete schon die Fähre Peter Pan und mit der fuhren wir in der Nacht heimwärts nach Lübeck-Travemünde. In besonders guter Erinnerung werden mir die schönen Abende mit Lifemusik bleiben.

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