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  Sretan put / Gute Reise  

Eine Radreise durchs ehemalige Jugoslawien

Serbien

Die Nebenstraße von Belgrad nach Obrenovac (sprich: ‚obrenowaz’) führt am Ufer der Sava entlang, die hier, wohl auf Grund des Rückstaus von der Donau, so breit ist wie der Oberrhein, doch ohne erkennbare Strömung. Jenseits erstreckt sich Auenwald. Das diesseitige Ufer ist ein Abhang mit Gras und Gebüsch. Hin und wieder führt ein Pfad hinab zu einem kleinen Bretterhaus mit Steg. Zweimal komme ich an bescheidenen Werften vorbei. Kräne, Eisengerüste und Schiffsrümpfe rosten vor sich hin.

Nachdem ich auf die Magistrala stoße, die sich ein Stück weit vom Ufer entfernt, nimmt der Verkehr zu und ich durchfahre einige Dörfer. Lebensmittelgeschäfte, Sägewerk, Ziegelei, Vulkanizer – alle erkennbare Wirtschaftstätigkeit beschränkt sich auf die Deckung der Grundbedürfnisse.

Stubline 

Vor Obrenovac radle ich über die Kolubara, ein schmaler Sava-Nebenfluss, und komme in die unspektakuläre Landstadt. Im Zentrum biege ich von der Magistrala ab Richtung Süden. Das erste größere Dorf heißt Stubline. Es besteht aus zwei lockeren Häuserreihen, die sich kilometerlang die Straße entlang ziehen. Am frühen Abend gerate ich hier mitten in ein Dorffest mit Buden, Riesenrad, Hammel am Spieß und einer Musikkapelle, die dem Publikum im Vorgarten des Gasthauses aufspielt. Die Menschen sind schlicht, aber sonntäglich gekleidet und in heiterer Stimmung. Es wird nicht getanzt.[ Foto > ]

Zum Essen setze ich mich ins Lokal. Da nur ein Tisch besetzt ist, finde ich einen Platz am Fenster, vom dem aus ich den Vorplatz übersehen kann. Der Sänger gleicht einem rundlichen Roma und wechselt zwischen Geige und Mikrofon. Da der Sound auf laut steht, erreicht mich die Musik auch im Innenraum ungedämpft. Wenn die volle, kräftige Stimme des Sängers ins Tremolo gerät, klingt der Schlager wie frisch importiert aus der türkischen Hitparade. Auch die 10 Ćevapćići, die mir die Wirtin serviert, sind Kinder des Türkischen, des Kebab. (Noch häufig werde ich über die Hinterlassenschaft osmanischer Tradition im serbischen Alltag staunen.) Als Beilage gibt es einen Teller Pommes, einen Teller Tomaten mit Zwiebeln und festes Weißbrot. Mit zwei großen Bieren beträgt die Zeche umgerechnet knapp 5 Euro. Bezahlt wird mit Dinar.

Dann endlich tritt die Sängerin auf, die im extremen weißen Minikleid und grobmaschigen Netzstrümpfen bisher als Blickfang bei der Band saß. Als sie sich vorm Junggesellentisch (mit gereiften Herren) platziert, kann ich der Versuchung des Motivs nicht widerstehen und blitzte ein Foto. Ein Dickwanst aus der Junggesellenriege wird richtig böse und verlangt den Film (nehme ich an). Ich gebe ihm (auf Deutsch) entschieden zu verstehen, dass ich nichts verstehe und verdrücke mich eiligst.

Inzwischen ist es fast dunkel und ich muss einen Schlafplatz finden. In der Nähe am Friedhof führte ein Weg von der Straße weg. Hinter einer Baumgruppe finde ich eine freie Stelle im Maisfeld. Trotz Durchzug bleibt die Luft im Zelt noch lange schwül. Die Musik vom Dorffest weht noch die halbe Nacht zu mir her. Einmal trägt die Sängerin mit dem weißen Minikleid und den Netzstrümpfen mit rauchiger Stimme ein Lied vor auf Deutsch: Ich bin von Kopf bis Fuß / auf Liebe eingestellt / das ist meine Welt / sonst gar nichts. So summt mir im Maisfeld Marlene ein Schlafenslied.

Ub 

Am Morgen streife ich über den Friedhof. Im Vergleich mit unseren akkurat geordneten deutschen Friedhöfen sind die Gräber wenig gepflegt und vorwiegend mit unverwüstlichen Exponaten wie Plastikblumen u.ä. geschmückt. Die Toten sind auf ihrem Stein abgebildet, als kleine Medaillons oder flächenfüllend auf eingeätzten Fotos. Die Gräber der mir Unbekannten wirken so auf mich durchaus persönlich. Auf einem Sockel unterm Steinfoto eines Mannes mittleren Alters finde ich säuberlich aufgereiht 2 Pflaumen, 2 Äpfel und ein Fläschchen Slivovic. Vielleicht die Tagesration des Verstorbenen. Hier wie später gewinne ich den Eindruck, dass Serben eine besondere Beziehung zum Totenkult pflegen und eine Vorliebe besitzen für Heldenverehrung. Hat es zum Beispiel einen Fußballspieler getroffen (was nur beim Autorasen passiert sein kann), so lebt er als glorreicher Star im Monument von der Größe eines Weltkrieg-II-Denkmals fort, mit eingeätzten Starfotos vorn, hinten und neben...

Die Fahrt führt durch Dörfer wie Stubline: auf jeder Straßenseite eine kilometerlange schüttere Reihe einfacher Häuser, von Hof und Garten umgeben. Die Gebäude sind meist eingeschossig und oft mit Liebe instand gehalten, wie mit Ornamenten bemalte kleine Schuppen zeigen. Neubauten haben meist zwei Geschosse, sind aus groben Ziegeln aufgemauert und ohne Putz. Überall scharren Hühner. Wenn ich mich einem Zaun nähere, kommt der Hund angeflitzt und verbellt mich. Das morgendliche Dorfleben spielt sich am Straßenrand ab. Dorfbewohner hinterm Zaum, unterwegs, an einer Haltestelle, dann der Bus, Radfahrer. Autos fahren wenige. Bei manchen Männern über 40 habe ich den Eindruck beginnender Verwahrlosung, was ich auf die hohe Arbeitslosigkeit zurückführe. [ Foto > ]

Von Ub, der nächsten Stadt, erwarte ich vor allem ein Frühstück. Zunächst radle ich an einer großen Ziegelei mit hohen Silos vorbei. Auf einem Werkshof findet ein Trödelmarkt für Technik und Ersatzteile aller Art statt. Soweit ich im Vorbeihuschen erkennen kann, ist der Andrang enorm. Am Busbahnhof finde ich ein einfaches Speiselokal, wo mir der Ober serviert: Fleischsuppe mit Nudeln, Kartoffelgemüse mit Hackfleisch, Tomatensalat. Die anderen Gäste verspeisen Ähnliches, wobei mir unklar bleibt, ob dies für sie das 10-Uhr-Frühstück oder bereits das Mittagessen darstellt. Beim Kaffee zum Nachtisch (Essen und Kaffee kosten zwei Euro[1]) beginnt es draußen zu tröpfeln. Bald hat es sich eingeregnet - wahrscheinlich der erste ergiebige Regen seit Wochen.

So setze ich mich ins Freie unter das Vordach und beobachte die ankommenden und abfahrenden Busse, von denen der Regen den Staub herunterspült. Die Informationstafeln weisen auf ein dichtes Verkehrsnetz zu den umliegenden Dörfern hin. Auch überörtlich existieren regelmäßige Verbindungen: Beograd, Valjevo, Kraljevo. Mit einem Taxifahrer, der von Österreich her ein wenig Deutsch spricht, trinke ich einen Kaffee. Sein Wagen (der mit dem Stern) steht noch an der gleichen Stelle wie bei meiner Ankunft.

Valjevo

So plötzlich der Regen eingesetzt hat, hört er nach einer Stunde wieder auf und die Wolken lockern sich. Hinter Ub fahre ich über die ersten flachen Hügel, bis ich wieder an die Kolubara komme. Durch deren Tal verläuft die Bahnstrecke Belgrad – Bar. Das eine Gleis, das hier gradlinig die Straße begleitet, lässt nicht ahnen, wie sich damit das noch geeinte „Tito-Jugoslawien“ einen Traum verwirklichte. Eine Bahnverbindung von der Donau zur Adria. 254 Tunnel und 243 Brücken wurden gebaut, 24 Jahre lang kämpften sich die Baukolonnen durch die Hochebenen Westserbiens und die wilden Berge und Schluchten Montenegros. Fast eine halbe Million BürgerInnen unterstützten das Projekt mit Anleihen und Geschenken. Ein 50-Millionen-Dollar-Kredit der Weltbank stand außerdem zur Verfügung. Die Bahnlinie war ein echtes Anliegen des Volkes, das in diesen unwegsamen Teilen des Landes Bahnfahren nur vom Hörensagen kannte. Ein Hauch von Wehmut weht mich an bei der Erinnerung an dieses gesamtjugoslawische Projekt. Ein unnützes Was-wäre-geschehen-wenn begleitet mich wie ein Schatten, als ich im grünen, lieblichen Tal die Bahntrasse entlang radle, im Sonnenschein und unterstützt von leichtem Wind.

Vor Valjevo wird die Straße zum vierspurigen Schnellweg und führt mich am Stadtrand zu einem modernen Geschäftszentrum. Zeit für eine Rast. Die zweigeschossigen Gebäudeflügel umschließen einen Gemüse- und einen Textilmarkt. Im Erdgeschoss befinden sich diverse kleine Läden, davor und daneben stehen viele kleine Stände mit Unterwäsche, Kochutensilien, Schulbedarf, Kleinelektronik oder Schuhen. Je schlechter die wirtschaftliche Lage, desto mehr blüht der Kleinhandel. Fraglich ist nur, ob diese Blüte auch existenzsichernde Früchte trägt. In Valjevo kommt verschärfend hinzu, dass das größte Unternehmen der Stadt durch Luftangriffe der NATO weitgehend zerstört wurde. Die Fabrik „Krusik“ produzierte neben Röhren Munition. Doch darüber spricht man nicht gern.[2]

An einem Obststand kaufe ich bei einer Frau, die von ihrer schulpflichtigen Tochter unterstützt wird, eine Honigmelone. Das bescheidene Angebot kommt aus dem Garten: einige Melonen, Möhren, Paprika, Zwiebeln und Kartoffeln. Dann erstehe ich im Bäckerladen einige Teilchen und kehre damit in der Bar an der Ecke ein. Der Markt ist belebt. Doch scheinen viele Besucher eher zum Bummeln als zum Einkauf hergekommen zu sein.

Pecka

Hinter Valjevo beginnen die Berge. Ich fahre ein wunderschönes Tal hoch. Wiesen und Maisfelder entfalten sich im Grund, Wiesen an den weniger steilen Hängen, sonst üppiger Laubwald mit Eichen, Buchen und Robinien. Später wird die Straße rauher und führt immer weiter in die Höhe. Auf den Wiesen nah und fern werfen unzählige Heukegel ihre Schatten. Ich radle an weiß getünchten Einzelhöfen und kleinen Weilern vorbei, bei denen einzelne Kühe grasen. Das Tal ist inzwischen in eine grandiose Mittelgebirgslandschaft übergegangen, in der Pflaumen, Brombeeren und Mirabellen auf die Ernte warten. Eine letzte Steilpassage schiebe ich. Dann bin ich auf einer Höhe von vielleicht 900 Metern und genieße im beginnenden Abendlicht einen weiten Rundblick. Zurück nach Osten übersehe ich ein weites Hügelland, im Norden die Berge Bosniens und im Süden überragt ein Tafelberg die Kuppen der Weiden und Wälder. Hinter dem Pass, auf die Sonne zu, öffnet sich kesselförmig ein Talschluss, umgeben von hellen Felsköpfen. Es folgt eine gemächliche Abfahrt über die sonnenbeschienene Bergseite in die wärmere Niederung und ich gelange nach Pecka (sprich: ‚pézka’).

Die zweistöckigen Häuser längs der Straße und die gepflegten Vorgärten mit Gemüse und Blumen hinterlassen einen gediegenen Eindruck. Kleine Traktoren und Einachs-Schlepper tuckern. Auf ihrem Hänger stapeln sich flache Kisten mit Pflaumen und Brombeeren für den Export. An der Kirche stoße ich auf die Hauptstraße, wo zwei Kneipen mit Terrasse sich gegenüber liegen. In der linken, der Bar Kod Bosanca, kehre ich ein. Die beiden Jungwirte sprechen erstaunlich gut Englisch. Sie führen keine Speisen. Dennoch besorgen sie beim Nachbarn einen gefrorenen Fisch, den sie mir grillen und mit kalten Bratkartoffeln und einer knallroten und knallscharfen Peperoni servieren.

Die Gäste auf der holzüberdachten Veranda interessieren sich sehr für mich. Mit Hilfe der Karte beschreibe ich ihnen meine Reiseroute. Plötzlich bricht schallendes Gelächter aus. Wie mir der Wirt übersetzt, hat einer der Anwesenden ganz ernsthaft geäußert, ich sei bestimmt ein Spion. Da hebe ich die gekrümmten Hände an die Augen und simuliere einen Fernstecherblick, was die Heiterkeit noch steigert. Auf der Straße zuckeln immer wieder Trecker mit den Früchten der Obsthaine vorbei. Das fordert zum Nachtisch einen Šljivovica aus lokaler Produktion. Die Flasche wird unterm Tresen hervor geholt, ein Wasserglas gefüllt. Der Stoff ist honiggelb und von blütenduftendem Aroma.

Am Nebentisch sitzt der Chef des örtlichen Fußballclubs. Von ihm erhalte ich die Erlaubnis, mein Zelt auf dem Rasen des nahen Sportplatzes aufzubauen. Nachdem sich herumgesprochen hat, dass ich kleine Souvenirs verteile, werde ich bald von eine Dutzend Kindern umringt. Die Jungen bekommen eine Trillerpfeife, die aussieht wie ein Mini-Fußball, die Mädchen einen peppigen Kugelschreiber. Der Fremde mit dem voll gepackten Fahrrad, der auf dem Fußballplatz sein Zelt aufbaut und an dem man die Englischbrocken aus der Schule ausprobieren kann, ist für sie in ihrem stillen Dorf eine Sensation.

Am Abend ist die Bar Kod Bosanca brechend voll. Im TV wird das Fußball-Länderspiel SCG[3]  – Irland übertragen. Emotional engagiere ich mich natürlich für meine gastfreundlichen Serben, die das Spiel temperamentvoll verfolgen. Als ihre Mannschaft in der Schlussphase das 1:0 erzielt, kennen Jubel und Begeisterung kaum eine Grenze. Die Nacht ist still und klar. Als ich vor das Zelt trete, glitzert über mir ein Himmel voller Sterne und das helle Band der Milchstraße spannt sich von Berg zu Berg.

Am nächsten Tag verabschiede ich mich in der Bar mit einem herzlichen hvala (Danke) und „I will never forget Pecka“. Zwei Kilometer „Anlauf“ bleiben mir auf der Asphaltstraße, dann geht es auf einer neu angelegten Schotterpiste so steil den Berg hoch, dass ich nur schieben kann. Wieder gelange ich in eine vormoderne kleinbäuerliche Welt, die primär auf Selbstversorgung ausgerichtet ist. Entlang des Weges gekalkte Häuschen, selten ein Mensch und einzelne grasende Kühe. Abgemähte Wiesen mit Heukegeln, kleine Maisfelder und buschige Waldstücke verteilen sich über die weiten Hänge des reich gegliederten Mittelgebirges. Für den Touristenblick eine unbeschwerte bäuerliche Landschaft. [ Foto > ]

Hinterm Pass wird der Ausblick dramatisch. Eine Schlucht steigt aus dem Tal empor und verliert sich zwischen grauen Felstürmen. Das Sträßchen windet sich einen Steilhang hinab. Ein gewaltiger Bergrutsch wird durchquert, eine Felsgalerie passiert. Die Schotterpiste erfordert höchste Konzentration.

Drina

Als wieder glatter Asphalt einsetzt, rolle ich durch ein breiter werdendes, freundliches Tal auf die Drina zu, die ich nach einer kafa-voda-Pause an der Hauptstraße von Ljubovija hinter der Stadt erreichte. Neben einem Hotel stehen unter Pappeln Spielgeräte für Kinder und einige Bänke. Ein Platz ideal zum Rasten. Eine Treppe führt zum Fluss hinab. Dort strecke ich meine Füße ins Wasser und finde die Temperatur überraschend frisch.

Bosnien wird von mehreren großen Flüssen durchströmt, die alle ihren Lauf nach Nordwesten in Richtung der Donau richten, in deren großes Nebengewässer Save sie münden. Der bekannteste dieser Flüsse ist die Drina, einst Grenzfluss zwischen Ostrom und Westrom und zwischen lateinischer und orthodoxer Christenheit. Bei Ljubovija ist die Drina etwa so breit wie der Odenwaldneckar und fließt mit beträchtlicher Strömung. Am anderen Ufer, das schon zu Bosnien gehört, türmen sich bewaldete Anhöhen auf wie die sieben Berge. Doch wohnt dahinter kein Schneewittchen. Und trotz einer Silberstadt[4] schürfen keine sieben Zwerge nach edlem Erz. Wer dort mit Spaten und Hacke ausschwärmt in die Wälder, gräbt nach hastig Verscharrtem, organisch Verblichenem, schwer zu identifizierendem Verwestem. Erde zu Erde, Staub zu Staub. Es sollen, während die Mörder unbelangt leben, die Toten in würdigen Gräbern ruhen. Wie könnte man solche Schrecken in dieser friedlichen Landschaft nachempfinden?

Die 50 Kilometer bis Bajina Bašta (sprich: ‚báschta’) bleibt die Straße in Flußnähe und ohne nennenswerte Steigung. Auch hier fährt kaum ein Auto, so dass ich in der Mittagshitze meditierend dahinpedaliere. Über den Fluss gespannte Stahlseile zeigen, dass auch auf dem brückenlosen Abschnitt der „kleine Grenzverkehr“ zur Serbischen Republik von BiH[5] funktioniert. Zufällig lege ich an einem Pfad zum Ufer eine Ruhepause ein, der sich als Passage entpuppt. Zwar hängt am Seil keine Fähre mehr, doch wartet am anderen Ufer der Fährmann im Nachen. Bald setzt er einen einzelnen Passagier über und rudert wieder zurück, wobei er die gegenläufigen Strömungsrinnen routiniert ausnutzt.

Die Fahrt geht an schmalen Feldern vorbei, durch kleine Dörfer und Weiler. Überall wird „gewerkelt“, vorwiegend für den eigenen Bedarf. Schweine im Hof, schlanke quirlige Tiere, sind neben der Hühnerschar keine Seltenheit. Entlang der Straße viele Grabsteine. Einige erinnern an Verkehrsopfer. Es scheint hier aber auch Brauch zu sein, Oma und Opa im Obstgarten vor dem Haus ins Grab zu betten. Flussauf werden die umgebenden Berge höher. Nach einer besonders engen Schleife radle ich Richtung Norden auf die nahe Sokolina zu, deren steile Almmatten und Felspartien vom Tal aus beeindruckend zu 1225 Metern Höhe aufsteigen. Einige Flusswindungen später erreiche ich Bajina Bašta.

Die kleine Stadt, die in einer Talweitung genügend Platz fand, sich luftig auszubreiten, hat im Zentrum eine kleine Fußgängerzone. An einer schattigen Allee sitzt man vor den Cafés und schaut der auf und ab promenierenden Jugend zu. Bei der Hitze des Tages flanieren die untergehakten jungen Schlanken noch freier als sonst, reichen aber kaum an die Eleganz der Blondine heran, die im Café als Bedienung agiert. Ich tue gut daran, mehrere Mineralwasser zu bestellen, denn es wird an diesem Tag noch einmal in die Berge gehen.

Flussaufwärt weicht die Drina in weitem Bogen nach Westen aus und bildet bis Višegrad (sprich: ‚wíschegrad’) eine unzugängliche Schlucht, in der sie mehrfach aufgestaut ist. In der von diesem Cañon umfassten Gebirgslandschaft liegt der Nationalpark Tara, ein Wanderparadies mit Höhen bis über 1500 Meter. Die Hauptstraße klettert ab Bajina Bašta wieder in die Berge, sowohl Richtung Užice (sprich stimmhaft: ‚úschize’) wie Richtung Višegrad, zurück ins Drinatal.

Die vor kurzem erneuerte und verbreiterte Straße steigt anfangs steil an, bis sich auf halber Höhe der Anstieg mildert. Im Gegenlicht der Abendsonne fällt der Blick weit hinein ins Drinatal, in dem sich die Silhouetten der Berge dunstig staffeln und eine schlanke Rauchsäule nach Höhe sucht. Das Abfackeln alter Autoreifen und ähnlichen Materials scheint die übliche Methode der Entsorgung zu ein. Zweimal, dreimal komme ich an solchen Feuern vorbei, die unglaublich dicke schwarze Rauchschwaden in die reine Luft pusten. Am Abend hat sich zwischen den Gipfeln ein schwärzlicher Schleier ausgebreitet. Am nächsten Morgen hängt er immer noch schmutzig über der Landschaft.

Im letzten Dorf vor dem Pass kehre ich in eine Ladenkneipe ein, vor der drei Männer an einem groben Holztisch ihr Feierabendbier trinken. Ich kaufe ein Stück Wurst, gönne mir ein pivo und nehme in der Runde mein Abendessen ein. Da es bereits dunkelt, radle ich bald weiter auf die Suche nach dem Platz für die Nacht. Diesmal fällt es richtig schwer, einen kleinen ebenen Fleck für das Zelt zu finden. Die Straßenbauer haben zum Berg hin einen durchgehenden Geröllhang aufgeschoben. Schließlich entdecke ich unter einer hohen Felswand eine planierte Stelle zwischen Betonmauern und Steinwällen, ganz ohne romantisches Flair. Obwohl die Luft kaum abkühlt und immer wieder Autos vorbeibrummen, schlafe ich bald ein.

Mokra Gora

Zum Wach- und Munterwerden am Morgen schiebe ich durch dichten Wald mit alten Buchen, Eichen und Linden zum Pass hoch, auf dem sich mehrere Sträßchen in den Nationalpark verzweigen. Auf einer Hotelterrasse unterm Sonnenschirm (die Sonne brannte schon wieder) bekomme ich ein richtiges „breakfast“: Rührei mit Schinkenwürfeln und ein Pott stark gesüßter Tee. Das Weißbrot schmeckt wie überall frisch und luftig. Das Umfeld des Hotels wirkt ein wenig provisorisch. Gegenüber ein baustellenartiger Platz und überall reichlich Hinweisschilder, die in Einzelexemplaren weit in Titos Zeit zurückdatieren und nicht alle aktuell sein können.

Gesättigt und tatenfroh stürze ich mich in die Abfahrt, sause jedoch gleich in eine Senke, von der ich zum „richtigen“ Pass hochstrampeln muss. Schlagartig hat die Vegetation gewechselt. Die Laubgehölze sind verschwunden und ich durchradle einen lichten Kiefernwald, mit Gras- und Farnteppichen ausgelegt. Oben führt die Straße, begleitet von einzelnen Chalets, eine Strecke eben auf dem Sattel entlang und der Blick schweift über das Tal der Detinja weit ins südöstliche Bergland.

Die kurvenreiche Abfahrt führt mich in ein weites, karges Karsttal, in dem braune Grasflächen die sanft gewölbten Hänge überziehen. Dort wende ich mich auf der von Užice kommenden Hauptstrecke nach rechts Richtung Drina. Die Straße ist überbreit und schnurgerade, der Asphalt glatt. Ein leichter Rückenwind unterstützt mich, so dass ich nur so dahinsause auf den nächsten Pass zu. In diesem abgeschiedenen Tal fand vor fast 100 Jahren der große Balkanradler Karl Sokolowsky ganz andere Wegverhältnisse vor. Mangels Brücken war er gezwungen, sein Stahlross zu schultern und durch das Flüsschen tragen.[6]

Auf mich wartet eine Herausforderung anderer Art. Am beginnenden Pass tritt die Straße in einen bewaldeten Taleinschnitt ein. Als vor mein inneres Auge schon die ersten Serpentinen einer (laut Karte) mehrere Kilometer langen Kletterpartie treten, tut sich in der Felswand über dem Wildbach ganz unerwartet ein Tunnel auf. 100 Meter davor, an einem Parkstreifen, speit der Löwenkopf eines Brunnens kühles, klares Wasser. Ich fülle meine Flasche nach und komme mit einem Herrn aus Belgrad, der seinen Wagen zu einer Imbisspause abgestellt hat, ins Gespräch über die Schönheit des Landes. Schließlich bietet er mir selbst gebackene Eierschecke an.

Zum ersten Mal radle ich durch einen etwa 1000 Meter langen, unbeleuchteten Tunnel, in den 70-er Jahren erbaut, mit einer seither nicht mehr erneuerten Fahrbahn. Kaum habe ich das letzte Dämmern des Tageslichts hinter mir gelassen, fahre ich in ein schwarzes Loch, an das sich die Augen erst nach einigen Sekunden gewöhnen und unbestimmte Konturen wahrnehmen. Der vom Nabendynamo gespeiste Halogenscheinwerfer leuchtet in der feuchten, finsteren Röhre nur als trübe Funzel und reicht gerade aus, sich am Fahrbahnrand entlang zu tasten. Ich fahre mit höchster Konzentration und hoffe, dass mich weder ein Auto überholt noch ein Schlagloch aus der Spur wirft. Endlich strample ich auf einen hellen Bogenausschnitt zu. Vor mir liegt der wilde Talkessel des jungen Rzav.

Wieder hat sich der Landschaftscharakter völlig gewandelt. Hoch aufsteigende Kalkgipfel umgeben mich, glatte Felswände, schütter mit Kiefern bewachsene Steinhänge und Abgründe, deren Tiefe ich von der Straße aus mehr ahne als überschaue. Jetzt geht es nur noch bergab, bis ich das Flüsschen erreiche sogar mit tüchtigem Gefälle. So komme ich (dank der Magura-Bremsen) entspannt in Mokra Gora an, einem größeren Dorf, das sich auf einen bescheidenen Fremdenverkehr eingerichtet hat. Weiter rolle ich auf der neuen Straße talwärts und erreiche bald die Grenzkontrollstelle, wo man mir ohne bürokratischen Aufwand einen Stempel in den Pass drückt. So verlasse ich das freundliche Land Serbien und betrete das von Krieg und Verbrechen gezeichnete Bosnien–Herzegowina.

 

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[1] Die genannten Preise sind „billig“ nur für den Touristen aus dem EG-Land. Für die meisten Einheimischen stellt ein Essen im Restaurant eine unerschwingliche Ausgabe dar.

Serbien und Montenegro zählt - wie seine Nachbarn Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Albanien - zu den ärmsten Ländern Europas. Das Nettodurchschnittseinkommen betrug im Jahr 2002 149 Euro monatlich. Das BIP/Einwohner liegt derzeit bei ca. 1.700 Euro (zum Vergleich: Slowenien ca. 4.700, Griechenland ca. 17.000, Deutschland ca. 26.000) und die offizielle Arbeitslosenquote bei 27,8 % (realistische Einschätzung 40 - 50 %). Die Infrastruktur und die industrielle Basis wären nach achtjähriger sanktionsbedingter Isolation nur mit hohen (ausländischen) Investitionen wiederherzustellen. Der Wohlstand der 70er und 80er Jahre ist - auch durch die systematische Ausplünderung durch das Milošević-Regime - verschwunden. [Quelle: AA]

[2] „Krusik“ beschäftige 6000, 7000 oder 8000 Arbeitskräfte. Die Zahlen stammen aus einer Web–Recherche, die zahlreiche Dokumente über diese Fabrik zu Tage fördert. Da die Welt im Krieg noch unübersichtlicher ist als zu normalen Zeiten, wuchern oder verkümmern die Behauptungen, je nachdem, wer worüber berichtet:

Da die Nato nach eigenen Angaben nur militärische Ziele angriff, war es wichtig zu erfahren, was in dieser Industrieanlage tatsächlich hergestellt wurde. In der Gruppe von Quellen mit „Anti-NATO-Tendenz“ wird nur je einmal die Fabrik als Röhrenfabrik (pipe factory) bzw. als Wasserrohrfabrik (water pipe factory) bezeichnet, sonst wird allgemein von „Krusik factory“ bzw. „Krusik Holding Corporation“ gesprochen. Ein Dokument zeigt zahlreiche Fotos der beschädigten „Krusik factory“ und kann als „ortsnah“ gelten. Es berichtet von 9 Angriffen, 7 Verwundeten (die Angriffe fanden nachts statt), zahlreichen zerstörten Gebäuden und einer zerstörten Sporthalle. Obwohl ein Bild einige Krankenbetten zeigt, unter denen Fensterglassplitter liegen, erwähnt es im Gegensatz zu anderen Quellen keine Zerstörung eines Hospitals.

Auf der Seite des Pentagon, wo ein Luftbild des Geländes nach den Angriffen gezeigt wird, ist das Werk als Munitionsfabrik (ammunition plant) bezeichnet. Andere Quellen stützen sich auf diese Information. Bei einer Untersuchung der UNPROFOR, der Truppen der Vereinten Nationen, über die Herkunft der auf Sarajevo abgeschossenen Granaten wird eindeutig Krusik als Hersteller festgestellt („...They confirmed that these were all shells of the same caliber, manufactured by Krusik Valjevo, with 1993 fuses, and series 07...“).

Während des Kosovo-Krieges muss sich die serbische Seite gegen Vorwürfe wehren, mit von Krusik ins Kosovo gelieferter Jagdmunition seien „Kosovo-Serben“ getötet worden. Der Chef der serbischen Polizei im Kosovo, Covic, räumt zwar ein, dass solche Munition seit Jahren im Kosovo verkauft werde, nennt als Tatwaffen eines Mordes jedoch israelische Gewehre (weapons made in Israel using the caliber 7.62 mm). Der damalige Direktor von Krusik, Milan Ciric, stellt dazu fest: "We have a commercial contract with a company, so this job isn't done by the Greeks or Bulgarians, and we have an order for hunting ammunition with all the necessary documentation." (Quelle: Radio KiM = Kosovo i Metohija) Also ordnungsgemäß und „commercial“.

[3] Serbia / Crna Gora (SCG) ist seit 2003 der offizielle Name des rest-jugoslawischen  Staates. Crna Gora ist der serbische, Montenegro der italienische Name für das Land des „Schwarzen Berges“.

[4] Srebrenica. Der Name steht für den größten Massenmord in Europa seit dem 2. Weltkrieg.

Neben den belagerten größeren Städten Sarajevo und Bihać gab es im serbisch kontrollierten Ostbosnien drei weitere von der Außenwelt abgeschnittene „Enklaven“, in die sich die muslimische Bevölkerung der Umgebung „in Sicherheit“ gebracht hatte: Srebrenica, Žepa und Goražde.

Am 11. Juli 1995 überrannten serbische Truppen Srebrenica, das von der UN zur Schutzzone erklärt worden war und wo 429 niederländischen Blauhelmsoldaten stationiert waren. Am folgenden Tag trieben die serbische Einheiten auf einem Fabrikgelände im Vorort Potocari - in unmittelbarer Nähe des UN-Quartiers - Tausende Muslime zusammen. Sie selektierten Frauen und Kinder, um sie auf Bussen und Lastwagen Richtung Tuzla abzutransportieren. Die zurückgebliebenen Männer - darunter auch Knaben und Greise - wurden abgeführt. Internationale Beobachter hörten Schüsse und Schreie aus den Fabrikhallen. Sie sahen die Leichen von Exekutierten sowie Berge von zurückgelassenen Kleidern und Habseligkeiten. Einige Männer wurden unter den Augen der Blauhelme, die nicht eingriffen, durch Kopfschüsse ermordet.

Auch an anderen Stellen kam es zu Massakern. Über die Zahl der dabei außerhalb von Kampfhandlungen Getöteten gibt es (je nach Quelle) unterschiedliche Angaben, von 1.500 bis 8.000. [dazu: J. Bogoeva/C. Fetscher: Srebrenica. Ein Prozeß. Frankfurt am Main 2002] Beim Lesen von Beiträge über das Massaker fühlte ich mich gelegentlich an die respektlosen „Aufrechnungen“ erinnert, wieviel Juden „in Wirklichkeit“ von den Deutschen vernichtet worden seien.

Bisher wurden rund 6.500 Tote aus Massen- und Einzelgräbern exhumiert (strittig ist, ob alle ermordet wurden) und 1.620 identifiziert (vorwiegend mit Hilfe von DNA-Tests). [Quelle: Gesellschaft für bedrohte Völker/ GfbV, 10.07.2003]. Die GfbV weist darauf hin, dass weitere 2.000 Menschen, überwiegend Frauen und Kinder, während der Belagerung und nach dem Fall der Stadt ums Leben gekommen sein sollen. In Potocari wurde im September 2003 vom ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton eine Gedenkstätte eingeweiht, wo bisher etwa 1000 Opfer bestattet wurden.

Im November 1995 erhob das Internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gegen den verantwortlichen General Ratko Mladić und den politischen Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadžić, Anklage wegen ihrer Verantwortung für die Greuel in Srebrenica. Gegen beide existiert ein internationaler Haftbefehl, dennoch sind beide bis heute auf freiem Fuß. Karadžić lebt weiterhin in Bosnien, Mladić „macht in Serbien Urlaub“, wie ein Ortsansässiger mir beteuerte. Der ebenfalls beteiligte General Radislav Krstić wurde allerdings gefasst und vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in den Haag wegen Völkermords zu 46 Jahren Haft verurteilt. Menschenrechtsorganisationen schätzen die Anzahl der beteiligten und bisher nicht belangten Todesschützen auf 500.

Die Tragödie von Srebrenica gehört zu den „dunkelsten Stunden der Vereinten Nationen“ (Kofi Annan). Aber auch die europäischen Staaten haben versagt, vor allem die französische und die britische Regierung. Sie leisen lange die gebotene Distanz zum Milošević-Regime vermissen und blockierten eine Aufhebung des Waffenembargos zur Selbstverteidigung der bosnischen Moslems mit der Begründung , die Menschen zu schützen sei Aufgabe der UN. Möglicherweise war die Preisgabe von Srebrenica (wie die von Žepa) auch ein abgekartetes Spiel der Großmächte, um mit der Vertreibung der Muslime aus Ostbosnien die ethnische Teilung des Landes zu besiegeln.

Der Schock und das Entsetzten, das dieses Massaker in der Weltöffentlichkeit auslöste, hat im Ergebnis dazu geführt, dass UNO und NATO gegen die Serben militärisch eingriffen und dadurch das Dayton-Abkommen zur Beendigung des Krieges im November des gleichen Jahres erzwangen. Auch der Bombenkrieg, den die NATO 1999 gegen Rest-Jugoslawien führte, um dessen Truppen aus dem Kosovo zu vertreiben, lässt sich nur vor dem Hintergrund des „Srebrenica-Traumas“ verstehen. Übrigens soll die serbische Armee im Kosovo Schützenpanzer eingesetzt haben, die 4 Jahre zuvor den niederländischen UN-Soldaten in Srebrenica abgenommen worden waren.

[5] BiH = Bosnien i (und) Herzegowina. Das Dayton-Abkommen, das 1995 den Bürgerkrieg in BiH beendete, enthält als Annex auch die Verfassung: Danach überwölbt Bosnien und Herzegowina als Gesamtstaat die beiden sog. Entitäten „Föderation von Bosnien und Herzegowina“ (51 % des Territoriums) und „Republik Serbien“ (49 % des Territoriums). Der Grenzverlauf zwischen der „Federacija“ und der „Republika“ entspricht weitgehend dem Frontverlauf zum Kriegsende. Als Folge der „ethnischen Säuberungen“, deren Ergebnis durch das Abkommen von der internationalen Staatengemeinschaft gewissermaßen sanktioniert wurde, leben heute in der Förderation fast ausschließlich Bosnier und Kroaten, in der Republik fast ausschließlich Serben.

[6] Sokolowsky befuhr im Sommer 1906 die Strecke Užice – Višegrad. Er berichtet: „Die ganze Gegend machte einen öden, trostlosen Eindruck, da auch der breite Talboden fast gar nicht angebaut war. Flott ging die Fahrt auf der guten Straße vorwärts; plötzlich wurde mir aber Halt geboten. Ich befand mich am Ufer des hier in einer Breite von 30 Schritt in mehreren Armen dahinschießenden Flusses, an welchem die Straße endigte, um sich vom anderen Ufer aus weiter fortzusetzen.

Es blieb mir keine andere Wahl, als das Rad auf die Schulter zu nehmen und durch das Wasser des Flusses zu waten, das mir bis zum Oberschenkel ging, wobei ich vorsichtig sein mußte, um nicht auf den großen runden Steinen des Bodens auszugleiten oder durch das mich mit große Gewalt umströmenden Wasser umgerissen zu werden. Der Vorgang wiederholte sich auf kurzer Strecke noch mehrere Male, da der Fluß in mäandrischen Krümmungen dahinfloß. Vielleicht war man noch nicht dazu gekommen, Brücken zu bauen, vielleicht hält man sie auch wegen des geringen Verkehrs nicht für nötig. Später, als der Fluß oben im Tale schon eine geringere Breite hatte, waren an 5 bis 6 Stellen gewaltige, lange, vierkantig behauene, wenigstens 50 Zentimeter im Geviert messende Fichtenstämme über das Wasser gelegt, auf die man stets erst hinaufklettern mußte, um hinüber zu turnen.“ [Sokolowsky, 138 f.]

Beim Grenzübertritt nach Bosnien hatte er wenig später weitere Geländehindernisse zu meistern.


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© Joachim Gremm – Stand: 02/2004