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Sretan put /
Gute Reise
Eine Radreise durchs ehemalige Jugoslawien
Fotos 3

Als dann die Seemauern Dubrovniks vor uns aufsteigen, liegt die Meeresfläche im Schutz der vorgelagerten Insel Lokrum ruhig wie ein Teich. Ein anschauliches Beispiel, wie ortssicher die Alten siedelten. So zieht unser Bötchen gelassen seine Schaumkurve zum Kai. Wir legen zwischen erdrückenden Bastionen an, die den Alten Hafen der Seerepublik sichernd umfangen wie die Scheren einer Strandkrabbe.
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Kein Markuslöwe bekundet Besitzansprüche des übermächtigen Venedig. Über dem schmalen Seetor behauptet den symbolträchtigen Platz des Schutzheiligen ein Bischof, der im Arm ein Modell seiner eigenwilligen Stadt hält. Hier wacht seit dem Mittelalter als Patron Sveti Vlaho (Sankt Blasius) über das Wohlergehen von Stadt und Bürgerschaft – wie auch an den beiden Landtoren und an den öffentlichen Gebäuden (hier der Sponza–Palast).
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Es wird Abend. Der Himmel verblasst mattviolett. Die Mauersegler fegen über den Dächern nach späten Insekten. Punkt halb acht erstrahlt der warme Schein der Laternen und spiegelt sich auf den polierten Marmorbodenplatten des Stratun. Zu dieser Stunde verwandeln sich die Seitengassen in ein weitläufiges, vielfach verwinkeltes Freiluftrestaurant.
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Nach Norden, also zur Landseite hin, blickt man auf die von der Halbinsel gebildeten Bucht, über der gigantisch die neue, filigrane Hängebrücke glänzt. Die Brücke heißt „dr. Frangi Tudjman most“. Sie ist also über den verkehrstechnischen Nutzen hinaus auch ein Denkmal.
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Unter den
ausladenden Ästen der Platane haben einige ältere Leutchen Tische aufgestellt, um an die
vorbei fahrenden Urlauber Kräutersträuße und Olivenöl zu verkaufen. Verlockend
leuchten die blanken Flaschen im klaren Licht. Ich fotografiere und muss den
Händlerinnen mühsam erklären, dass ich als Radler keine dauerhafte Zuladung
verkrafte.
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An der Seite
prangt unübersehbar ein Bronzerelief, das – von links nach rechts zu lesen –
einen Abschnitt gesamtjugoslawischer Geschichte lebensgroß abbildet. Zunächst
die Greuel der Ustaša und die Verbrechen der Wehrmacht. Dann der
Partisanenaufstand und der Sieg des Volkes.
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Die Fähre legt nicht im Hafen bei der alten Stadt an. Man muss über einen Hügel klettern, am alten Friedhof vorbei. Unversehens fällt der erhöhte Blick auf Korćula, das sich wie ein Wurmfortsatz in den Pelješki kanal vorschiebt. Im Hindergrund erhebt sich die grandiose Kulisse des Ilias–Massivs.
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In den Dörfern die Steinhütten, außerhalb die Trockenmauerkomplexe. Als riesige rechteckige Wabenfelder durchziehen sie die Täler und greifen terrassenförmig auf die Hänge über. Die Mauern sind teilweise so breit und massig, das der rotbraune Streifen Erde, den sie schützen, schmaler erscheint als sie.
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Die kleine Bucht ist ein herrlicher Ort. Doch gibt es kein Paradies auf Erden. Zunächst tuckert eine Weile ein Diesel. Auch kommt ein Auto angefahren. Und aus dem einzig größeren Gebäude plärrt ein Kind und wird nicht müde.
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Die Fähre geht schon um 14.15 Uhr, dann ist zwei Tage Pause (Nachsaison!). Mir bleibt noch Zeit, auf der Terrasse des Hotels „Dalmatica“ einen dalmatischen Fisch zu verspeisen und vom vollfarbigen, erdigen Weißwein Korćulas zu kosten.
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Man gelangt
nach wenigen Schritten zum Hauptplatz, volkstümlich „Pjazza“, offiziell
„Narodni Trg“ (Volksplatz). Unter Sonnenschirmen haben sich Freiluftlokale ausgebreitet. Der Platz ist die Schnittstelle zwischen den
beiden Hälften der Altstadt und entsprechend belebt.
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Lassen wir die Sonne fahren und steigen die steile Treppe
unter Diokletians Kaiserloge hinab zur Unterwelt. Eine lange, dreischiffige Halle, die rund 8
Meter hohen Gewölbe von schweren Pfeilern getragen, ist eine Passage für Fußgänger. Zu beiden Seiten liegen an Verkaufsständen Schmuck und Kunsthandwerk aus.
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Die Seefassade des römischen Palastes macht großen Eindruck,
selbst wo die Palmen der Hafenpromenade die Sockelzone decken. Wie wirkt sie
erst in der Dämmerstunde, wenn die Lichterbahnen auf dem Meer schwimmen
und über allem der angeleuchtete Turm der Kathedrale schwebt.
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Wenn nicht Partisan, dann wenigstens Haiduck – Mauer in Kotor. Solange namhafte Fußballclubs „Partizan“ oder „Hajduk“
heißen, kann man über das Hasspotential in den Tiefenschichten der
ex-jugoslawischen Mentalitäten mutmaßen. Feinfühlige Zeitgenossen gaben sich
schon früh keiner Verbrüderungsillusion hin.
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