Karte
Vorwort
Belgrad
Serbien
Bosnien 1
Sarajevo
Bosnien 2
Montenegro
Kotor
Dubrovnik
Dalmatien
Split
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Fotos 3
Anhang
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Sretan put /
Gute Reise
Eine Radreise durchs ehemalige Jugoslawien
Anhang
Menschen, Sprache, Berge
Während sich an der Küste der Adria der Tourismus
allmählich erholt und in Istrien schon die gleichen Auswüchse
feststellbar sind wie in Italien, ist der touristisch Reisende im
Landesinnern ein seltenes Exemplar, besonders wenn er mit dem Velo
unterwegs ist. Dort fährt oder schiebt er durch wunderschöne
Berglandschaften mit „uriger“ Landwirtschaft, durchradelt aufregende
Schluchten und begegnet wohlwollenden, hilfsbereiten Menschen, die dem
„Njemac“ (Deutschen) schon mal anerkennend auf die Schulter klopfen,
manchmal aber auch eine abweisende Miene zeigen.
Die praktischen Probleme halten sich für den Radler in
Grenzen. In den vielen kleinen Läden entlang der Straße kann
er (dank der EUROs in der Tasche) alles
preiswert einkaufen, was er benötigt, wobei die
Verständigung mit Zeigen und einzelnen Sprachbrocken gut
funktioniert, solange
sie situationsbezogen bleibt. Regelmäßig trifft er
Gastarbeiter. Ehemalige,
die aus Deutschland oder Österreich genügend
Deutschkenntnisse für ein kleines
Gespräch mitgebracht haben, und aktuelle, die gerade selbst in
ihrer Heimat
Urlaub machen und die man am deutschen Nummernschild erkennt. Mit
Jüngeren kann
er sich in den Städten auf Englisch verständigen. In
ländlichen Gebieten ist
unter Umständen ein Reisesprachführer hilfreich.
Wer mit dem Rad durchs ehemalige Jugoslawien tourt, sollte
die Berge lieben. Zwei Drittel des Landes (der interessantere Teil)
werden in
NW-SO-Richtung vom Dinarischen Gebirge durchzogen. Meist radelt man ein
Tal
entlang, und wenn man ins nächste möchte, muss man über
einen Pass von 1000 –
1300 m Höhe. Die unglaublich abwechslungsreiche Gebirgslandschaft
und die fast
autofreien Straßen entschädigen für die Mühe des
Anstiegs. Und hinterm Pass
wartet schließlich eine lange Abfahrt.
Anreise, Fahrradtransport
Von Düsseldorf nach Belgrad und von
Split aus zurück fuhr ich mit den Touring-Bussen (www.deutsche-touring.com/intro.html),
die besonders in Ost- und
Südosteuropa viele Ziele anfahren. Die Fahrtdauer betrugt jeweils
ca. 24
Stunden. Das Rückfahrt-Ticket kostete 161 EUR. Pro
Gepäckstück und Fahrt
wird eine Versicherungsgebühr von 3,50 EUR erhoben.
Da offiziell keine Fahrräder transportiert werden, ist
man mit unverpacktem Rad auf das Wohlwollen des Busfahrers angewiesen.
Um im Einzelfall nicht zurück gewiesen zu werden, ist es
empfehlenswert, das Rad in eine Transporttasche zu
packen. Mein Gepäck verstaute ich in einem großen Seesack
der Bundeswehr. Da beide Gepäckstücke etwas
überdimensioniert waren, habe ich die Gepäckgebühr – als
Trinkgeld für die Fahrer – großzügig aufgerundet.
Nachdem ich in Belgrad angekommen
war und das Rad montiert hatte, waren die beiden Transporttaschen
unnützer
Ballast. Ich habe sie daher in einen Karton gepackt und postlagernd an
ein
Postamt in Split geschickt (Adresse im Web). Das kostete 29 EUR und
klappte
hervorragend.
Die Kommunikationszentren in den Städten
des ehemaligen Jugoslawiens sind übrigens die Busterminals, nicht
die Bahnhöfe.
Fahrrad, Gepäck, Essen
Das Fahrrad sollte stabil sein blablabla... Wirklich
empfehlenswert sind robuste Laufräder, da man auf Nebenstrecken
immer mal mit sehr schlechen Straßen oder Schotterwegen rechnen
muss und auf normalen Straßen der Belag am Rand oft holpriger ist
als zur Fahrbahnmitte hin. Auch in den vielen dunklen Tunnel ist der
Asphalt schon lange nicht mehr neu. Insgesamt ist der
Straßenzustand jedoch gut bis zufriedenstellend. Ich fahre ein
Reiserad mit 26-Zoll-Rädern und einer 1,75-er Bereifung (Schwalbe
Marathon).
An Gepäck nahm ich das mit, was im Sommer in
Südeuropa nötig
ist. Im Landesinneren geht es für den Radler kaum ohne Zelt.
Autofahrer mit ihrem größeren Aktionsradius können
dagegen ohne weiteres Hotels und evt. Privatquartiere finden. Restorans
und konobas
(einfache Restaurants) gibt es nur in den Städten. Auf dem Land
kauft man in einem der vielen kleinen Läden
ein, bestellt in der nächsten Kneipe ein Getränk und packt
seinen Imbiss aus.
Sicherheit, Minen
Glücklicherweise zähle ich zu den Menschen ohne
Beklautwerden-Phobie (das einzige Mal, wo mir am abgestellten Rad etwas
abhanden kam, war in Höxter/Weser). Mein Seilschloss habe ich so
gut wie nie benutzt, selbst das Rahmenschloss blieb manchmal offen.
Außer Kindern interessierte sich nämlich kein Schwein
für mein Velo. Wahrscheinlich wurde ich von den meisten
Einheimischen selber als armes Schwein angesehen, dass sich eine Reise
nur mit dem Fahrrad leisten kann. Das nächste Mal solle ich doch
besser mit den Bus fahren, riet mir einmal eine Museums-Führerin.
Das Minenproblem in Bosnien wird, so bedrohend es für die
einheimische Bevölkerung ist, für Reisende in der Regel
dramatisiert. Wer nicht dauernd durch verwildertes Gebüsch und
Brachgelände trecken möchte, bleibt auf der sicheren Seite.
Minen sind vorwiegend in den Kampfgebieten entlang der
serbisch-bosnischen und serbisch-kroatischen Demarkationslinie
ausgelegt worden. Dass man sich
in einem ehemaligen Kampfgebiet befindet, erkennt man spätestens
an den Gebäudeschäden. Minenzonen sind den Einheimischen im
Großen und Ganzen bekannt.
Ich habe mich, bei insgesamt defensivem Verhalten, in den
Minengebieten an zwei
Regeln gehalten:
- „Querfeldein“ ist tabu. Bei Pfaden und
Wegen, auf die ich meinen Fuß setzte, musste erkennbar sein, dass
sie in den letzten Jahren regelmäßig benutzt worden sind.
- Mein Zelt habe ich in Dörfern aufgestellt und nicht
wie sonst „in der freien Natur“. Ich wurde meist zum Sportfeld
verwiesen. Man darf sein Zelt oft auch direkt bei dem Haus aufstellen,
wo man nachfragt. Campingplätze gibt es im Landesinneren nur in
Nationalparks.
Karten, Straßenverkehr, Tunnel
Ich hatte zwei Straßenkarten vom
Freytag&Berndt-Verlag
bei mir:
- Jugoslawien, Slowenien, Kroatien, 1:600 000
- Bosnien-Herzegowina, 1:250 000
Beide Karten sind veraltet und weisen Fehler auf, aber man
findet sich mit ihnen zurecht. Die Bosnien-Herzegowina-Karte ist vom
Maßstab her für
Radler in einem dünn besiedelten Land fast ideal.
Da es den meisten Menschen im ehemaligen Jugoslawien
wirtschaftlich wesentlich schlechter geht als uns, gibt es dort viel
weniger
Autos. Außerhalb der Städte hat man oft die Straße
viertelstundenweise für sich
allein. Wo auf den Hauptverbindungen zwischen den städtischen
Zentren der
Verkehr dichter fließt, wird bei geringer Straßenbreite der
Radler von den LKW
und den vielen Bussen, die oft mit sehr geringem Seitenabstand
überholen,
regelrecht „an den Rand gedrückt“ und er braucht starke Nerven
(vielleicht wäre da
ein Rückspiegel nützlich).
Die Autos werden nicht selten mit unglaublicher
Fahrlässigkeit (Überholen!) gesteuert. Ich habe noch nirgends
am Straßenrand so
viele Gedenktafeln für Unfallopfer (meist junge Männer)
gesehen wie bei dieser
Tour.
Unglaublich hoch ist die Zahl der Tunnel. Generell sind
sie unbeleuchtet und in den längeren verschlechtert sich die
Fahrbahn. Ist ein
Tunnel länger als 150 Meter, fährt man in ein „schwarzes
Loch“, wo man
sekundenlang nichts sieht. Ich empfehle eine gute Taschenlampe, um die
Fahrradbeleuchtung zu unterstützen. Nach meiner Erfahrung
gewöhnt man sich auch
ans Tunnelfahren ziemlich schnell.
Literatur, Informationsquellen
Ivo Andrić und Milovan Djilas
Wer sich in die Literatur über die Region vertieft, sollte
unbedingt auch zu den Büchern von Ivo Andrić und Milovan Djilas
greifen. Das mittlere und
südliche Bosnien bildet in Andrićs Erzählungen und den beiden
großen Romanen (Die Brücke über die Drina + Wesire und
Konsuln/Travniker Chronik) den geographischen und kulturellen Rahmen
des Geschehens. Vor allem der Roman über die Brücke in
Višegrad, für den Andrić 1961 den Nobelpreis erhielt, sollte
Pflichtlektüre sein, wenn man die kleine Stadt mit der
großen Bücke besucht. Ivo Andrić ist ein großartiger
Erzähler und thematisiert die kulturelle Zerissenheit des Landes
und seiner eigenen Person auf empathische Weise.
Von Milovan Djilas, Titos abtrünnigem Stellvertreter, ist
das bekannteste Buch „Die neue Klasse“, in dem er seinen Bruch mit der
Kommunistischen Partei begründet. Für den Reisenden von
größerem Interesse ist sicher „Land ohne Recht “. Darin
schildert er – schonungslos und packend – seine Kindheit und Jugend in
den Bergen
Montenegros.
Die folgenden Titel setzen sich mit dem Zerfall des
ehemaligen Jugoslawien und den dabei einsetzenden Veränderungen
auf dem Balkan
auseinander. Sie sind bereits mit einem zeitlichen
Abstand zum Bürgerkrieg in Jugoslawien verfasst worden:
- Richard Wagner: Der leere Himmel. Reise in
das Innere des Balkan. Berlin 2003.
Ein faszinierendes Buch. Der Autor ist im „Dreiländereck“
des Banat beheimatet, das er 1987 verlassen musste. Die Geschichte
seiner „schwabendeutschen“
Familie, sein persönliches Betroffensein und die umfassende
Auseinandersetzung mit den Problemen des Balkan verschmelzen zu einer
authentischen und urteilssicheren Gesamtdarstellung.
- Norbert Mappes-Niediek: Balkan-Mafia.
Staaten in der Hand des Verbrechens – Eine Gefahr für Europa.
Berlin 2003.
Eine Auseinandersetzung mit den Problemen, die sich aus
die Verfilzung von korrupten Eliten und organisierter Verbrecher
für die europäische Politik ergeben.
- Mark Marzower: Der Balkan. Berlin 2002.
Ein anschaulicher, sozialhistorisch orientierter
Leitfaden der Geschichte des Balkan.
- Viktor Meier: Jugoslawiens Erben. Die
neuen Staaten und die Politik des Westens. München 2001.
Der ehemalige Südosteuropa-Korrespondent beschreibt
kenntnisreich die inneren Probleme der neu entstandenen Staaten und die
Konzeptionslosigkeit westlicher Balkan-Politik.
- Geschichte mit Pfiff: Jugoslawien. Heft
11/2000.
Anschauliche Einführung in die jugoslawische
Geschichte des 19. und 20. Jahrthunderts.
- Viktor Meier: Wie Jugoslawien verspielt wurde.
München (3. aktualisierte Aufl.) 1999.
Minutiöse politische Analyse des Zerfalls
Jugoslawiens.
- Margaditsch Hatschikjan/Stefan Troebst (Hrsg.):
Südosteuropa: Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur.
Ein Handbuch. München 1999.
Umfassende Darstellung der Bedingungen und Strukturen,
die den Wandel in Südosteuropa prägen.
- Erich Rathfelder: Sarajevo und danach.
Sechs Jahre Reporter im ehemaligen Jugoslawien. München 1998.
Eine Stärke des Autors ist das Recherhieren vor Ort..
Im Web bietet umfassende und
aktuelle Information insbesondere die Frankfurter Rundschau mit ihren
Dossiers,
außerdem die Länderinformation des Auswärtigen Amtes:
Krieg, Mord und Vertreibung in Bosnien und Herzegowina, aber
auch Flüchtlingsrückkehr und Wiederaufbau sind als Themen im
Web vielfältig aufzufinden. Als Beauftragter der Bundesregierung
hatte Hans Koschnick in den Jahren nach Kriegsende Wiedereingliederung
und Wiederaufbau als Aufgabe. Die „Flüchtlingsberichte“ seiner
Behörde geben einen detaillierten Einblick in die Probleme vor
Ort. Die Opfer „ethnischer Säuberungen“ kommen auf einer Seite zu
Wort, die aus der fachärztlichen Betreuung posttraumatischer
Störungen bei Flüchtlingen entstanden ist. Was sie berichten
ist kaum fassbar, ergreifendend und erschütternd.
- Der Beauftragte der Bundesregierung
für Flüchtlingsrückkehr, Wiedereingliederung und
rückkehrbegleitenden Wiederaufbau
in Bosnien und Herzegowina – Flüchtlingsberichte
www.bbs.bund.de/home.htm
- Die Wahrheit der Opfer
Zeugnisse und Materialien zum Völkermord in Bosnien 1992 - 1995
www.grothe.org/bosnien/
Reiseführer und Bildbände über das früher
beliebte Reiseland Jugoslawien sind bis zum Ausbruch des
Bürgerkriegs in großer Zahl erschienen, aber inzwischen nur
noch antiquarisch zu beschaffen. Die folgenden Titel beschreiben nicht
nur touristische „Highlights“, sondern gehen auch auf
kulturgeschichtliche und politische Zusammenhänge ein:
- Wolfgang Libal: Dalmatien. München
1990.
- Wolfgang Libal: Balkan. München 1987.
- Baedekers Allianz-Reiseführer: Jugoslawien.
Ostfildern-Kemnat bei Stuttgart (3. Auflage) o.J. (1984).
- Merian: Montenegro. Heft Juni 1977.
- J.A. Cuddon: Jugoslawien. München
1967.
- Armand Gaspard: Jugoslawien. Lausanne (Das
Buch der Reisen) 1963.
Weitere Bücher, die mir geholfen haben
- Bato Tomašević:
Montenegro. Eine Familiensaga im Jahrhundert der Konflikte.
Fankfurt am Main 2000.
Die Geschichte eines
Jahrhunderts spiegelt sich im Schicksal der Familie Tomašević. Der Band erinnert in vielem an Milovan
Djilas Jugendbiografie und ist ebenso mitreißend erzählt.
- Karl Otto Hondrich: Wieder Krieg.
Frankfurt am Main
2002.
Der Soziologe zeichnet nach, wie in Deutschland die
Beteiligung am Krieg
(Golfkrieg, Balkan, Afghanistan) innerhalb eines Jahrzehnts politischer
Alltag
wurde.
- Richard Holbrooke: Meine Mission.
Zürich
1998.
Der amerikanische Diplomat schildert Vorgeschichte und
Verlauf der Verhandlungen, die zur Beendigung des Krieges in Bosnien
und zum Dayton-Abkommen führten.
- Bärbel Bohley: Die Dächer sind das
Wichtigste. Mein
Bosnien-Tagebuch. Berlin 1997
Die Bürgerrechtlerin hat 1996 drei Monate beim
Wiederaufbau in Bosnien mitgeholfen. Ihre Aufzeichnungen verraten ein
waches Auge und ein unabhängiges Urteilsvermögen.
- Miloš Okuka/Petra Rehder (Hrsg.): Das zerrissene
Herz.
Reisen durch Bosnien-Herzegowina 1530–1993. München 1994.
Ausgewählte und kommentierte Reisberichte von der
osmanischen Eroberung im 16.
Jahrhundert bis zum Bürgerkrieg am Ende des 20. Jahrhunderts.
- Janusz Piekalkiewicz: Krieg auf dem Balkan
1940–1945.
München 1984.
Eine neutrale Darstellung des Kriegsgeschehens mit vielen
Text- und Bildquellen. Das Buch gibt allen Grund, sich darüber zu
wundern, dass man als Deutscher im ehemaligen Jugoslawien und in
Griechenland (von vielen anderen Ländern zu schweigen) so
freundlich behandelt wird.
Zum Schluss eine Delikatesse (nicht nur) für Radreisende:
- Karl Sokolowsky: Im Bannkreise des Balkan.
Reisen und
Abenteuer unter den Balkanvölkern. Berlin-Schöneberg o.J.
(1926).
Der Berliner unternahm 1906 und 1907 von Wien aus zwei
Radreisen durch die Länder des Balkan bis nach Istanbul. Voller
Unternehmungsgeist und
journalistisch
ambitioniert schildert er seine Erlebnisse bis hin zu den
„Luftschlauchschäden“
an seinem Fahrrad. Der Band enthält außerdem die Fotos, die
er mit der
mitgeschleppten Plattenkamera aufnahm.
Und ein Buch, das man nicht lesen muss:
- Karl May: In den Schluchten des Balkan.
Buchfassung letzter Hand 1908. Historisch-kritische Gesamtausgabe
für die Karl-May-Gedächtnis-Stiftung, Zürich 1990.
Über Menschen und Land erfährt man in dieser
„Reiseerzählung“ gar nichts (Karl May
hat nie den Balkan bereist), aber eine Menge über die
chauvinistische und
christliche Überheblichkeit des wilhelminischen Deutschland und
seine entlarvenden Macht- und Bestrafungsphantasien, z.B. „schmutzige“
Balkanmenschen mit der
Peitsche zu schlagen. Dies wiederum macht das Buch schon wieder
lesenswert.
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