Siebenbürgen
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Menschen, Sprache, Land – Anreise, Fahrradtransport – Übernachten, Essen – Karten, Straßenverkehr – Kirchenburgen – Projekte – Sachbücher – Romane – Online-Quellen |
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Information [Erfahrung & Quellen] |
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Menschen, Sprache, Land2007 wird Rumänien aller Voraussicht nach Mitglied der EU werden. Es ist also höchste Zeit, dieses vielfältige Land kennen zu lernen. Der nördliche Landesteil ist geprägt vom teilweise alpinen „Karpatenbogen“, in den sich eine grüne Mittelgebirgslandschaft einbettet. Hier liegen seit dem Mittelalter die Siedlungsgebiete der deutschen Bewohner, der „Siebenbürger Sachsen“. Diese stellen inzwischen nur noch eine kleine Minderheit der Bevölkerung. Daher wunderte ich mich, wie oft ich mit einem „Grüß Gott“ angesprochen wurde, auch in entlegenen Dörfern. Neben den Rumänen sprechen auch die zahlreichen Zigeuner Rumänisch, eine romanische Sprache. Wer ein wenig Französisch, Italienisch o.ä. beherrscht, findet sich daher schnell in ihr zurecht. Ein kleiner Grundwortschatz ist für den Radtouristen jedenfalls nützlich. Häufiger als mit den Einheimischen wird er sich mit Touristen aus anderen Ländern (von Europa bis zu den Emiraten) auf Englisch verständigen. Rumänien ist stark von der Landwirtschaft geprägt und wird nach dem Beitritt sowohl in Bezug auf die Wirtschaftskraft als auch auf den Lebensstandard der Bevölkerung noch lange das ärmste EU-Land bleiben. Auf dem Land trifft man kleinbäuerliche Verhältnisse an wie vor 50 Jahren in Deutschland: Pferdewagen, Handarbeit, Tierhaltung um Haus und Garten. Aus einem reichen Euroland kommend, sollte der Besucher aus Deutschland kleine Geschenke mit sich tragen (Kaugummi, Luftballons, Stofftierchen, Zigaretten, Gasfeuerzeuge u.ä.) und sich nicht scheuen, ab und an einen Schein mit fünf Nullen oder eine Euronote zu verschenken. Zumal er in Stadt und Land ausgesprochen preiswert lebt. Was er in Rumänien an Freundlichkeit, Gastfreundschaft und Naturerleben erfährt, ist ohnehin unbezahlbar. ![]() "Siebenbürgische Reise" als BuchAus dieser Website ist das Buch "Siebenbürgische Reise" (Hardcover) entstanden, das den vollständigen Text, eine vierfarbige Karte und zahlreiche Fotos enthält.
Anreise, FahrradtransportAm einfachsten (doch nicht am komfortabelsten) ist die Anreise mit dem Bus. Man steigt in der Nähe seines Wohnortes zu und in Hermannstadt, Mediasch oder Kronstadt aus. Es gibt mehrere Unternehmen, die auf Rumänien spezialisiert sind und drei Mal die Woche fahren (Übersicht bei [www.bikeromania.de]). Da jeder Fahrgast 50 kg Gepäck mitnehmen kann, ist die Unterbringung des Rades kein Problem. Je nachdem, von wo aus man startet, dauert die Fahrt länger oder kürzer als 24 Stunden. Unterwegs gibt es viel zu sehen und man lernt die ersten Einheimischen kennen. Auf der Hinfahrt bekam ich noch in Österreich die erste Einladung eines „Sachsen“ zum Kaffetrinken (und nahm sie 2 Wochen später auch wahr). Übernachten, EssenIch war mit dem Zelt unterwegs und habe – ohne Probleme – in der freien Natur, in Kirchenburgen, auf Bauernhöfen und auf Campingplätzen übernachtet. Natürlich gibt es in Siebenbürgen auch Privatzimmer, Pensionen und Hotels. Auf Campingplätzen und bei Motels kann man in der Regel kleine Holzhütten mieten. Eine Besonderheit stellen die im Pfarrhaus einer Kirchenburg eingerichteten Gästehäuser dar. Der „Fahrradführer für Südsiebenbürgen“ gibt dazu zuverlässige Hinweise (siehe nächsten Abschnitt). In den Dörfern sucht man vergebens nach einem Restaurant. Aber einen Lebensmittelladen gibt es fast immer, ebenso eine Dorfkneipe. Vorschlag: man trinkt in oder vor der Kneipe ein frisches Bier oder einen Kaffee und verzehrt dazu die im Laden gekauften Lebensmittel. Auch nach drei Wochen wunderte ich mich noch über die (für uns) sehr niedrigen Preise. Karten, StraßenverkehrHervorragende Routenvorschläge auf Übersichtskarten, sehr genaue Routenbeschreibungen und umfangreiche touristische Informationen finden sich im „Fahrradführer für Südsiebenbürgen“. Hier waren RadlerInnen am Werk, die sich vor Ort bestens auskennen.
Für die Routenplanung verwendete ich eine Straßenkarte mit dreisprachigen Ortsnamen
Für die Lenkertasche hatte ich mir die passenden Blätter aus einem Autoatlas herausgetrennt.
Beide Karten sind ungarische Neuerscheinungen und recht zuverlässig.
Unter diesem Motto findet sich im Web ein gutes Dutzend Satellitenbilder, die einen Eindruck vom Landschaftscharakter geben und einfach Radelappetit machen. 40 % des rumänischen Straßennetzes sind nicht asphaltiert. Oft fährt man auf Schotterpisten, auf denen man sich nur mit robusten Laufrädern wohl fühlt. Nach Regen ist mit Pfützen und Schlammpassagen zu rechen. Auf „normalen“ Straßen sind gelegentlich Schlaglöcher zu umkurven, die für einen Speichenbruch und einen Knick in der Felge gut wären. Da die meisten Menschen in Rumänien viel ärmer sind als wir, gibt es dort viel weniger Autos. Da viele Menschen mit dem Rad fahren, sind die Autofahrer an Radfahrer gewöhnt und nehmen Rücksicht. Auf Nebenstrecken außerhalb der Städte hat man oft die Straße viertelstundenweise für sich allein. Selbst auf der Europastraße Budapest – Hermannstadt – Kronstadt –Bukarest ließen sich trotz vieler Lkw und Busse kürzere Abschnitte akzeptabel zurück legen. Wo die Europastraßen erneuert sind, findet man einen fast 2 m breiten Fahrradstreifen. KirchenburgenDie Kulturlandschaft Siebenbürgens wird geprägt von den Kirchenburgen. Die wenigsten Besucher werden sich der Faszination dieser Baudenkmäler entziehen können, in denen sich der Überlebenswille und die Gestaltungskraft der sächsischen Gemeinden manifestieren. Als grundlegende Werke können die Fabini–Bücher gelten:
Bei Karpatenwilli finden sich an versteckter Stelle die Aufsätze der Kunsthistorikerin Juliana Fabritius-Dancu mit den wundervollen Aquarellen und Zeichnungen: ProjekteNach der Auswanderung der Deutschen kam das „sächsische
Dorfleben“ in Siebenbürgen weitgehend zum Erliegen. Für die heutigen Bewohner,
überwiegend Rumänen und „Zigani“, bestehen schwierige soziale Verhältnisse. Die
Jugend neigt mangels zukunftsweisender Perspektiven dazu abzuwandern. Umso
erstaunlicher sind einige lokale Projekte, die sich um die Erhaltung von
Kirchenburg und traditioneller Architektur sowie um die Aktivierung des dörflichen Lebens
bemühen und die vorwiegend von jungen Deutschen getragen werden. Kulturland.NET Dieses in Holzmengen / Hosmann in der Nähe von Hermannstadt angesiedelte Projekt verfolgt Ziele, die über den örtlichen Bezug hinaus weisen:
Außerdem werden Tagungen sowie Gruppen- und Individualreisen organisiert und betreut. Zuletzt ist es in Holzmengen gelungen, die alte Getreidemühle zu restaurieren. Sie soll zu einem Backhaus mit Brotladen ausgebaut werden. Auf der Website [www.kulturland.net]
werden die vielfältigen Aktivitäten vorgestellt. Der Besucher wird dort auch qualifiziert
über Gesellschaft und Kultur Rumäniens informiert. Ansprechpartner ist Joachim
Cotaru. Auf meiner Radreise habe ich mich zweimal in Holzmengen aufgehalten: [am Anfang >] und [am Ende >]. Das Trappold-Projekt Ziel ist es, die verlassene mittelalterliche Kirchenburg von Trappold / Apold in der Nähe von Schäßburg wieder zu beleben, vorsichtig zu sanieren und zu einem Ort der Begegnung werden zu lassen. Träger ist CORONA – Verein zur Förderung lokaler Initiativen e.V., Berlin [www.coronaberlin.de]. Sebastian F. Bethke, der Projektleiter vor Ort, wohnt seit Februar 2003 im Burghüterhaus. Ihn habe ich auf meiner Radreise besucht [ mehr > ]. CORONA unterstützt außerdem den Verein CORONA–Kronstadt, dessen Mitglieder sich seit der Gründung im Bereich Demokratieförderung engagieren. Weltkulturerbe Deutsch Weißkirch / Viscri Die vollständig erhaltene Kirchenburganlage gehört zu den größten und bekanntesten. 1999 wurden sie und der Ort in die UNESCO–Weltkulturerbeliste aufgenommen. Vor Ort finden sich zahlreiche Aktivitäten unterschiedlicher Träger. Ich habe mich zwei Tage in Deutsch Weißkirch aufgehalten [ mehr > ].
Projekte PolitikDemokratisches Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) ist die politische Vertretung der Rumäniendeutschen. Sie wurde Ende 1989 in Rumänien gegründet. In Sibiu / Hermannstadt stellt die Gruppierung seit 2000 den Bürgermeister. 2004 erhielt sie gut 60 % der Stimmen für den Lokalrat (= Stadtparlament) und verfügt somit nach Sitzen über eine 2/3–Mehrheit. Weitere DFDR-Bürgermeister amtieren in den Städten Mediaş (Mediasch) und Cisnădie (Heltau) sowie in einigen Dörfern des Kreises Satu Mare. In einem Beitrag im „Deutschen Jahrbuch für Rumänien 2002“ gibt der Ehrenvorsitzende des DFDR, Prof. Dr. Paul Philippi, eine pointierte Standortbestimmung. Der Text findet sich unter [www.karpatenwilli.com/adz01.htm]. Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in München. Seit rund fünfzig Jahren vertritt die Landsmannschaft die politischen, rechtlichen und kulturellen Belange der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. Im Gegensatz zu anderen Landsmannschaften hat sie sich nicht durch Kalte–Kriegs–Ideologie und Rückerstattungsforderungen in Verruf gebracht. Auf ihrer Website [www.siebenbuerger.de] informiert die Landsmannschaft ausführlich und gründlich über Land, Leute und Orte. Sachbücher
RomaneVon den deutschsprachigen SchriftstellerInnen aus Siebenbürgen und dem Banat liegen mehrere Romane vor, die vom Leben der Deutschen im fernen Land erzählen und in der Regel stark autobiografisch geprägt sind. Ich empfehle für den Anfang:
Das geistige Klima im kommunistischen Rumänien war geprägt von Angst und den Repressalien und dem Terror der politischen Polizei. Zwei Romane setzen sich besonders eindrucksvoll mit dem Ausgeliefertsein an die „Securitate“ auseinander:
Online–Quellen
![]() "Siebenbürgische Reise" als BuchAus dieser Website ist das Buch "Siebenbürgische Reise" (Hardcover) entstanden, das den vollständigen Text, eine vierfarbige Karte und zahlreiche Fotos enthält.
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