Siebenbürgen 
[die Radreise]

   Es ist einfacher zu reisen, als darüber zu schreiben.   Livingstone

Der Verfasser überm Alt bei Hochwasser

Siebenbürgen [die Radreise]

Ein Land zum Staunen [kurzes Vorwort]



Cap. 1 [Harbachtal]

Ankunft in Hermannstadt – Altstadt – Fahrt ins Hochland – Versuch bei Eginald Schlattner – Holzmengen – Harbachtal – Kirchenburgen und Schulhäuser


Cap. 2 [Schaaser Tal]

Trappold – Schaaser Tal – Schäßburg – Sächsische Dreieinigkeit – Hermann Oberth – Sprache der Grabsteine


Cap. 3 [Weinland, Salzland]

Südlich der Großen Kokel – Land des Segens (?), Land der Kirchenburgen – Birthälm – ruinierte Landschaft – Stolzenburg – Sachsen und Rumänen – Salzburg


Cap. 4 [Zibin & Aluta]

„Kulturweg“ Hermannstadt – Museum „Astra“ – Michelsberg – Heltau – der Alt – Freck – Kerz – „De Oude Wilg“ – Ziganie – urtümliches Schauspiel – Transfăgărăşan


Cap. 5 [rumänische Dörfer]

Sămbăta–Kloster – Spielzeugtraktoren – die „Unreformierbaren“ – Genfood – Heuernte – die Törzburg – Dracula & Mickey Mouse


Cap. 6 [Burzenland]

Rosenau – die Burg – Schulerau – Kronstadt – „Schwarze Kirche“ – Johannes Honterus – „Märtyrer–Stadt“ & Boomtown – Honigberg


Cap. 7 [Szekler Land]

Alt–Hochwasser – Sfântu Gheorghe – Kurbad „zu haben“ – Baraolt – belebte Nacht – Engpass Perşani–Berge – „Durchhängebrücke“


Cap. 8 [Hochland]

Hamruden – ein Zeitzeuge – Weltkulturerbe Deutsch Weißkirch – Sockenprojekt – Wolf & Bär – Salomonischer Gottesdienst – „Nie wieder Krieg!“ – Ende im 5/7-Takt


Foto 1 [Menschen & Bauten]

Foto 2 [Unter den Bergen]

Foto 3 [Bewegtes Land]


Information [Erfahrung & Quellen]

Menschen, Sprache, Land – Anreise, Fahrradtransport – Übernachten, Essen – Karten, Straßenverkehr – Kirchenburgen – Projekte – Sachbücher – Romane – Online-Quellen


Orte [Namen in 3 Sprachen]

Karte [mit der Reiseroute]

 

Abbildung Buchtitel

"Siebenbürgische Reise" als Buch


Aus dieser Website ist das Buch "Siebenbürgische Reise" (Hardcover) entstanden, das den vollständigen Text, eine vierfarbige Karte und zahlreiche Fotos enthält.


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Ein Land zum Staunen [kurzes Vorwort]


Siebenbürgen ist ein Hügelland, das vom Karpatenbogen wie von einem Hufeisen umschlossen wird. Die Landschaft erinnert an Mittelgebirge in Deutschland: Odenwald, Spessart, Weserbergland. Die Zahl der Flüsse und Bäche ist hoch. Häufig durchfährt der Radtourist steigungsarm lang gestreckte Täler. Im südlichen Teil hat er von vielen Plätzen aus die alpine Kette der Fogarascher Berge vor Augen.

Die Dörfer voller Kinder, Pferdefuhrwerke und Kühe erscheinen dem aus einem hoch entwickelnden Land kommenden Reisenden dabei aber ebenso fremd wie die von einfacher Landwirtschaft geprägten Fluren. Ein Wiedererkennungserlebnis wird sich allenfalls bei Älteren einstellen, wenn sie sich daran erinnern, wie das Leben auf dem deutschen Dorf vor 50 Jahren aussah. Etwa so bescheiden wie damals bei uns – und sicher ein wenig „unordentlicher“ – sind die Bauernhöfe, Werkstätten, Dorfläden, Dorfkneipen und Schulen in Siebenbürgen noch heute.

Das im Karpatenbogen liegende Land, das in den meisten Sprachen „Transsylvanien“ genannt wird, war im Mittelalter Ziel deutscher Auswanderer, der „Sachsen“. Deren Siedlungsgebiete – vor allem die Hermannstädter Provinz und das Burzenland mit Kronstadt – haben sich im Lauf der Jahrhunderte zu einem ethnischen Mischgebiet entwickelt, in dem die Deutschen dann als Minderheit mit Rumänen, Ungarn, Juden, Zigeunern und anderen Völkerschaften keineswegs konfliktfrei, aber insgesamt pragmatisch kooperierend zusammen lebten.

Die geistige Grundlage solchen multikulturellen Miteinanders – gegenseitige Achtung und Toleranz – wurde vom deutschen Staat von 1933 bis 1945 mit verheerenden Folgen bekämpft, bis hin zum Holocaust und dem Vernichtungskrieg im Osten. Die von Deutschland ausgegangene Gewalt schlug zurück und traf auch die Deutschen, die seit Jahrhunderten die Lebenswirklichkeit in fremden Ländern kooperativ mitgestaltet hatten. Die Siebenbürger Sachsen mussten schwer büßen. Nach Enteignung, Rechtlosigkeit und Deportation litten sie wie alle Bürger Rumäniens unter politischer Repression und ökonomischer Inkompetenz. Die meisten von ihnen sind zum Teil vor, vor allem aber nach 1989 nach Deutschland umgesiedelt.

Der Reisende deutscher Muttersprache kommt in Südsiebenbürgen in eine Region, in der er sich schnell heimisch fühlt: Er bewegt sich in einer Landschaft, in der Dörfer und Städte, Bäche und Berge deutsche Namen tragen (natürlich auch rumänische und ungarische). Deutsche Namen sind auf den Grabsteinen der Friedhöfe zu lesen, deutsche Bibelsprüche in den Kirchen. Das Dorfbild mit den schlichten Giebelreihen der Bauernhöfe und der typischen Kirchenburg, die den Ortskern überragt, steht in fränkischer Tradition. Und verblüffend oft wurde ich selbst in entlegenen Dörfern mit einem freudigen „Grüß Gott“ angesprochen.

Vielen Reisenden wird bei derartigen Eindrücken die Wirksamkeit des europäischen Horizontes bewusst werden: Im Zusammenleben der Völker Südosteuropas realisierte sich lange vor dem 20. Jahrhundert die Idee eines kulturellen Gravitationszentrums, das die Menschen in den Bann zog. Sie orientierten sich „an Europa“ und verstanden darunter das Vorbild der politisch, wirtschaftlich und kulturell fortgeschrittenen Nationen. Das Verschwinden des Eisernen Vorhangs bringt uns allmählich diese „entlegenen“ Räume zurück, die unser Bewußtsein vergessen oder verdrängt hatte. Die Aufnahme von Ländern wie Rumänien und Bulgarien in die EU erscheint daher aus historischer Sicht als Wiedereinsetzung eines zweitweise gestörten Beziehungsgeflechtes.

Das „deutsche“ Siebenbürgen ist für uns aus dieser Perspektive ein Land zum Staunen. Auf kulturelle Weise können wir uns dort eine uns ferne Region aneignen, die über Jahrhunderte von Menschen mit geprägt wurde, deren Vorfahren aus dem deutschen Sprachgebiet stammten und die sich überwiegend mit dem Land ihrer Muttersprache verbunden fühlten. Bei der Annäherung unterstützt uns, dass sehr viel deutschsprachige Literatur über Land und Menschen erschienen ist, sowohl Sachbücher als auch Belletristik.

Drei Wochen lang habe ich mich mit Südsiebenbürgen abgestrampelt. Es anschließend als „erlebtes Land“ zu beschreiben, hat viel länger gedauert. Wer Fakten in meinem Reisebericht als falsch erkennt, den bitte ich um eine Nachricht. Und wer der Auffassung ist, ich läge mit einem Urteil grob daneben, der sollte mir ebenfalls schreiben. Sprachliche Verfälschungen des Rumänischen bitte ich mir nachzusehen – das kleine gelbe Universalwörterbuch des bekannten Sprachen-Verlags hilft wenig bei grammatikalischen Unsicherheiten.

 

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