Damals auf der KrimDie FamilieDoch wenden wir uns jetzt Vaters Hof und Häuschen zu, wo ich nach alter Rechnung am 11. Oktober 1876 geboren wurde. Mein Vater, der am 30 September 1850 in Krontal geboren wurde, war das zweitälteste Kind und der älteste Sohn meines Großvaters Georg Michael, den man in Krontal "Jerigmichel" nannte. Den Vornamen meiner Großmutter kenne ich nicht, ihr Mädchenname war Wiedrich. Sie starb vor der Zeit meiner frühester Erinnerungen, infolge einer bösen Hand, wie man damals sagte. Die drei Brüder meines Vaters, Georg, Peter und Johannes, wanderten im Laufe der Jahre nach Nordamerika aus, wo sie es zu einigem Wohlstand brachten. Von seinen Schwestern war Maria mit Christof Modersitzky, Katharina mit Peter Böckell und Luise mit Wendelin Müller verheiratet, während mir von Elisabeths Mann nur noch der Vorname Nikolaus einfällt. Die Arme hatte viel unter seiner Trunksucht zu leiden, dazu kam früh eine Lungenkrankheit, der sie bald erlag. Katharina und Luise gingen später ebenfalls nach Amerika, und lediglich "Marichebas" blieb in Ludwigstal. Doch im Gegensatz zu meinen Onkeln fanden sie dort nicht das große Glück, denn ihre Männer waren nicht übertrieben fleißig und in Rußland wohl auch zu alt geworden, als daß sie sich in Amerika hätten ändern können. Später zog mein Großvater zu uns und starb mit 76 Jahren. Meine Mutter Christine, eine geb. Weidner, wurde am 15. Dezember 1851 ebenfalls in Krontal geboren. Ihr Vater hieß Daniel; seine zweite Frau, meine Großmutter, kannte ich zwar noch recht gut, ihren Vornamen habe ich jedoch leider vergessen. Auch die Namen der Geschwister meiner Mutter sind mir nicht mehr vollständig im Gedächtnis. Ihr ältester Bruder Conrad und ihre älteste Schwester Elisabeth, verheiratet im Kaukasus mit Friedrich Puhlmann, waren Kinder aus der ersten Ehe meines Großvaters, die beiden einzigen, wenn ich mich recht entsinne. Von den Kindern aus der zweiten Ehe mußte Daniel, der jüngste Bruder meiner Mutter, als russischer Soldat am türkischen Krieg teilnehmen, aus dem er nicht zurückkehrte. Meine Mutter sprach von ihm stets mit warmer Liebe und wehem Schmerz, als es aussichtslos geworden war, auf seine Rückkehr zu warten. Erst lange Zeit nach dem Krieg kam ein Russe und brachte die Nachricht von seinem Tod und seine letzten Grüße. Er soll bei Plewna gefallen sein. Daneben hatte meine Mutter fünf ältere Schwestern — mir fallen noch die Namen Maria, Barbara und Katharina ein — und einen jüngeren Bruder, Joseph. Von all diesen lernte ich Joseph am besten kennen, weil er einige Jahre in unserer Nähe wohnte und wir oft zusammenkamen. Ich hatte ihn sehr gern, er war ein herzensguter Mensch und mußte in seinem nicht allzulangen Leben einiges mitmachen. Welche Mühe hatte er sich immer gegeben, aus den schwersten Sorgen ums tägliche Brot herauszukommen! Aber es sollte ihm nicht gelingen. Quelle: David Weigum, Damals auf der Krim.
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