Die KrimAnkunftDer Blick aus 10.000 Höhenmetern auf die Agrarsteppe der Ukraine ist von einiger Monotonie. Riesige Felder mustern das Land bis zum milchigen Horizont mit ockergelben, braunen und blassgrünen Rechtecken. Dann strahlt das Schwarze Meer tiefblau herauf. Die Strandlinie und eine bogenförmige Nehrung zeichnen sich scharf ab. Hinter ihnen dehnen sich diffus verströmende Salzseen. Der Flieger folgt im beginnenden Sinkflug der Westküste. Jewpatorija breitet sich als regelmäßige Gartenstadt über eine grüne Halbinsel. Saki liegt, schon von der Küste entfernt, inmitten blinkender Wasserflächen. Noch am gleichen Abend werde ich genau hier mit dem Rad unterwegs sein. Dann nehmen wir über Land eine Kurve, Felder und Wiesen, von Kastentälern durchzogen, rücken näher, schon landen wir. Das historische Flughafengebäude aus den 1930er Jahren, von sachlichen, modernen Hallen flankiert, sieht aus wie ein weiß gestrichener alter Bahnhof oder – so bemerkt meine junge Nachbarin aus dem Rheinland – wie eine Feuerwache. Die Formalitäten erfordern wenig Aufwand. Das Rad hat den Transport unbeschadet überstanden und muss nur wieder aufgepumpt werden. Die Straße Richtung Westküste ist ein breites, zum Rand hin raues Alphaltband, das fast kerzengerade verläuft. Der Verkehr mittel. Die Landschaft ein von Senken und Ausschwemmungen zerteiltes Wiesenland. Selten ein Weinberg und hin und wieder ein Kornfeld, allerdings von gewaltigem Ausmaß. Himmel und Sonne strahlen wie im Bilderbuch. Der Wind weht kräftig vom Festland her und unterstützt mich leicht. Die Dörfer kleine Flecken. Häufig werden am Straßenrand Melonen, prächtige Tomaten, Obst und Gemüse angeboten. An Saki bin ich fast schon vorbei geradelt, als ich doch noch zum Busbahnhof finde und dahinter zum Zentrum. Das Städtchen wirkt auf mich ein wenig unstrukturiert, ohne feste Mitte, obwohl eine orthodoxe Kirche mit hellblauen Kuppeln dem Auge Halt gibt. Im Hof eines Restaurants finde ich einen freien Tisch. Die Bestellung wird dadurch erleichtert, dass die Speisekarte Fotos enthält und die junge Kellnerin ein wenig Englisch spricht. Zum Eingewöhnen: ein Teller mit Grillspießen (200 g, so wird gerechnet), ein Bier, 2 Brote – macht preiswerte 35 Griwna, was knapp 6 Euro entspricht. Die Straße erreicht das Meer an einer günstigen Stelle. Nach rechts streckt sich über Kilometer, fast bis Jewpatorija, ein breiter, kaum bebauter Sandstreifen. Linkerhand dehnt sich die Zone der Sanatorien und des Bade- und Diskorummels. Das Igluzelt stelle ich an die Kante zum Meer, 15 Schritte bis zur Wasserlinie. Zu beiden Seiten sind in gehörigem Abstand zwei landestypisch einfache Zeltensembles aufgebaut. Plastikmüll glitzert überall. Das Meer klar und mild (23 °C). Später versinkt die Sonne erstaunlich purpurrot hinter der flachen Silhouette von Jewpatorija. © copyright 2008 Joachim Gremm |