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  Rad-Magazin 1999  

Rad-Magazin 1999

Aus dem Inhalt

  Im Regen Start zur ersten Tour

Rückblick: 10 Jahre ADFC Ratingen

  1 X um den Globus geradelt

Nur der Rhein war zu überqueren

  8.000 Fahrräder unterwegs

Treffen des Rad–Tourismus in Charleville–Mézières

Foto: 2 Gründungsmitglieder und ein Sympathisant des ADFC Ratingen im Münsterland


Rückblick: 10 Jahre ADFC Ratingen

Im Regen Start zur ersten Tour

Wer an den ADFC Ratingen denkt, dem fallen als erstes die vielen Touren nah und fern ein. Neben der Radtouristik hat der ADFC jedoch zwei weitere Aktionsfelder: Die Verkehrspolitik im Sinne der nichtmotorisierten Menschen und Rat und Tat in Sachen Fahrradtechnik. Der Rückblick über 10 Jahre ADFC–Aktivitäten in Ratingen legt dar, dass wir auch in diesen Bereichen nicht geschlafen haben. Viele Verbesserungen für den Radverkehr in Ratingen waren nur durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit und „Bretterbohren“ bei der Verwaltung und den Politikern zu realisieren.

1989

Erste Tour im Regen. „Für Radler gibt‘s kein schlechtes Wetter!“ Unter dieser Überschrift berichtet die Presse Anfang Juni 1989 über unsere erste Tour, auf der die acht Beteiligten auf ihr Regenzeug zurückgreifen mußten. Die Ortsgruppe war einen Monat zuvor, am 8. Mai, gegründet worden. Immerhin werden in jenem Sommer acht Touren unternommen. mehr...

Mit bunten Luftballons gegen Radweg-Parker. Der ohnehin viel zu schmale einseitige Radweg in der oberen Düsseldorfer Straße war ein Ärgernis, denn tagsüber fand man ihn von Autos zugeparkt. Mit einer publikumswirksamen Ballonaktion stellt der ADFC im August 1989 Rad– und Gehwegparker an den Pranger. Noch im gleichen Jahr lässt die Stadtverwaltung den Radweg mit Pollern sichern. mehr...

1990

Fahrradfreizeitkarte Ratingen. Ende 1990 erscheint nach langer Vorarbeit die Fahrrad–Freizeit–Karte Ratingen. Über Wochen waren ADFC–Aktive unterwegs, um in Zusammenarbeit mit dem Planungsamt die Routen zu überprüfen. Die Stadt gibt die Karte an Interessenten kostenlos ab!

Mitliederzuwachs. Die Ortsgruppe ist 1990 auf über 50 Mitglieder angewachsen. Im folgenden Jahr kann der ADFC Ratingen sogar sein 100. Mitglied begrüßen.

1991

Fußgängerzone freigegeben. Es ist eine harte Geburt, doch am Ende beschließt der Verkehrsausschuß mit hauchdünner Mehrheit, Teile der Fußgängerzone für Radfahrer freizugeben. Zunächst ein Jahr auf Probe. Damit ist eine alte Forderung des ADFC durchgesetzt – auf Dauer. Was damals für viel Aufregung sorgte, finden heute fast alle selbstverständlich.

Ratingen „fahrradfreundlich“. Nicht zuletzt aufgrund solcher für den Radverkehr vorbildlichen Verkehrsplanung wird Ratingen in das Landesprogramm „Fahrradfreundliche Städte in NRW“ aufgenommen. Das bringt nicht nur Renommee, sondern auch zusätzliche Fördermittel.

1992

Fahrradtage mit Show. Mit Show und viel Information veranstaltet die Stadt Ratingen im April ihre „Fahrradtage”. Eine Woche lang läuft ein vielfältiges Programm „rund ums Rad“ , an dem sich auch der ADFC kräftig beteiligt. Gleichzeitig schafft die Stadtverwaltung sechs Dienstfahrräder an.

Fahrradstraße eingerichtet. In Ratingen wird – gegen viele Widerstände – die erste „Fahrradstraße“ eingerichtet (Kirchgasse). Bis heute ist sie leider die einzige geblieben. mehr...

Note 4 für Ratingen. Der ADFC veranstaltet einen bundesweiten „Fahrrad–Klima–Test“ . 111 Städte unter 100.000 Einwohner sind in der Wertung. Ratingen behauptet sich als 56. im Mittelfeld – allerdings mit der Note 4 minus.

1993

„GegenVerkehr“ im Rathaus. ADFC, BUND und Jusos veranstalten im Januar gemeinsam im Foyer des Rathauses die Ausstellung „GegenVerkehr“ . Gegen eine Verkehrspolitik, die einseitig aufs Auto setzt, präsentiert die Ausstellung das Rad als Alternative im innerstädtischen Verkehr.

Stadt erhält Quittung. Alle Städte in NRW, die sich um die Förderung des Fahrradverkehrs bemühen, drängen ins Landesprogramm „Fahrradfreundliche Städte“. Auch Ratingen war mit Stolz und Gewinn dabei – bis zum Herbst 1993. Dann erfolgt der Rauswurf, eine nicht unverdiente Quittung.

Fahrradwerkstatt für Frauen. Erstmalig findet in der Volkshochschule ein Kurs über Fahrradtechnik statt, der sich ausschließlich an Frauen wendet. ADFC–Technikwart Gerd Buchner vermittelt Kenntnisse in Fahrradpflege, Wartungs– und Einstellarbeiten.

1994

Rosenstraße ohne Radweg. Die Erweiterung des Radverkehrsachse nach Ratingen Ost wird Anfang des Jahres jäh gebremst. Der Bau eines Radwegs, wie vom ADFC befürwortet, wird im Verkehrsausschuß (knapp) abgelehnt. Statt dessen sollen Tempo–30–Schilder den Radlern helfen, die allerdings bis heute nicht aufgestellt wurden.

Nach Lintorf auf Umwegen. Die Lintorfer Straße, die direkte Verbindung zum nördlichen Stadtteil, seit es Fahrräder gibt, wird gekappt. Da am Blyth–Valley–Ring eine Autobrücke (mit Radweg) über die Kalkbahn gebaut wurde, macht die Stadtverwaltung im Sommer 1993 den Bahnübergang an dieser Stelle unüberwindbar. Alle Bürgerproteste stoßen auf taube Ohren.

1995

Hochstraße geöffnet. Im Radverkehrsnetz der Stadt wird eine klaffende Lücke geschlossen: nach dem Umbau der Hochstraße kann der Radverkehr jetzt in beiden Richtungen fließen. Für Autos bleibt die Hochstraße Einbahnstraße.

Fahrradstation am Ostbahnhof. Im März wird die Fahrradstation am S–Bahnhof Ratingen–Ost eröffnet. Unter Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) finden Arbeitskräfte aus dem Programm „Arbeit statt Sozialhilfe“ eine nützliche Beschäftigung. Angeboten werden Servicearbeiten, Fahrradbewachung und Fahrradverleih. mehr...

1996

„Stadt tut nichts mehr“. Mit diesem Appell wendet sich der ADFC an die Spitze der Stadtverwaltung und an die im Rat vertretenen Parteien und lädt zu einem Gespräch ein. Alle bekunden guten Willen und klagen ein wenig über fehlendes Geld. Das ändert aber nicht daran, dass die Zeit weitblickender Konzepte für den Radverkehr in Ratingen Vergangenheit ist. mehr...

Winterdienst. Nach einigen ordentlichen Wintern hintereinander nimmt der ADFC Kontakt mit dem Stadtdirektor auf und weist auf das Problem der durch Schnee unbefahrbaren Radwege in der Stadt hin. Stadtdirektor Fischer sagt zu, die Radwege in den Winterdienst einzubeziehen.

1997

Fahrradcodierung. Die Fahrradstation am Ostbahnhof erwirbt eine Fahrrad–Codiermaschine und führt gemeinsam mit dem ADFC auf dem Marktplatz erste Codieraktionen durch. Mit der entsprechenden Nummer am Rahmen ist das Rad für einen Dieb nur noch von geringem Wert. mehr...

Verkehrsicherheitstage. „Sicher unterwegs in NRW“ – unter diesem Motto finden landesweit Tausende von Aktionen statt, die Unfällen im Straßenverkehr vorbeugen sollen. Der ADFC Ratingen beteiligt sich unter anderem mit Bremstest, Fahrrad–Codierung und einem Fahrrad–TÜV.

Ein Apfelbaum zum 70. Edith Feltgen, die Vorsitzende der Ortsgruppe, feiert ihren 70. Geburtstag und wirbt für eine große Apfelbaum–Pflanzaktion. Auch der ADFC buddelt ein Bäumchen ein.

1998

Weniger Radwege. Mit der Änderung der Straßenverkehrsordnung ergeben sich neue Möglichkeiten für die Verkehrsplaner. In Ratingen werden erste Veränderungen vorgenommen: bei unzureichenden Radwegen besteht keine Benutzungspflicht mehr und einige Einbahnstraßen werden in Gegenrichtung für Radler freigegeben. mehr...

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Nur der Rhein war zu überqueren

1 X um den Globus geradelt

Von Joachim Gremm

Seit diesem Jahr gehöre auch ich zur kleine Clique der „Weltumradler“. Allerdings musste ich mich dabei weder dem Monsunregen Asiens noch nordafrikanischer Wüstendürre aussetzten. Der einzige Fluss, der überquert werden musste, war der Rhein und die einzige Grenze die Stadtgrenze zwischen Ratingen und Düsseldorf. Die Geschichte begann vor 10 Jahren. Damals verlegte mein Arbeitgeber den Standort von Düsseldorf Mitte nach Heerdt, in die Nähe des Neusser Hafeneinfahrt. Zur Arbeit radelte ich da schon seit Jahren. Jetzt aber begann eine neue Herausforderung.

Der Weg

Die „Ausfallroute Süd”: Durch den Süden Ratingens, unter der S-Bahn durch und über die A44 hinweg, am Bauenhaus vorbei durch den Aaper Wald, parallel zur Straßenbahnlinie 712. Die Graf-Recke-Straße führt zur Düssel und folgt ihr in den Zoopark. In den Autoverkehr muss man damit erst am Brehmplatz. Ab Schloss Jägerhof fährt man über die breiten Allen und schattigen Pfade des Hofgartens auf die Oberkasseler Brücke und danach hinunter in die Rheinwiesen. Das einzige, war einem bis zum Neusser Hafen jetzt noch in die Quere kommen kann, ist der häufige Südwest-Wind.

Erlebnisse

Reisen bildet – Radfahren noch viel mehr. Zum Beispiel wird man zum Wetterexperten. Der abendliche Blick auf die Wetterkarte, der morgendliche Blick aus dem Fenster und eine Portion Erfahrung: Wetterkapriolen haben mich nur selten überrascht. Fing es zu regnen an, war die Regenkleidung dabei. Aber nicht nur über Wetterttrends war ich wohlinformiert. Egal was „In“ ist, ob Rollern, Biken oder Skaten, ob Joggen, Walken oder Drachensteigen: in den Oberkasseler Rheinwiesen erblüht in Windeseile jeder neue Trendsport – und was man dabei trägt.

Wie schön der Anblick, wenn bei Dunkelheit und klarer Luft die Lichter der Brücken, des Fernsehturms und der Altstadtfront am Horizont leuchten und sich warm im dunkeln Fluss spiegeln.

Gefahren

Natürlich muss man als Radler im Großstadtverkehr höllisch aufpassen. Meine Erfahrung ist aber, dass im Lauf der Jahre das Auskommen zwischen Autos und Rädern verständnisvoller geworden ist. Der gefährlichste Monat ist der Mai, die gefährlichste Gegend dann der Hofgarten. Nicht weil die Bäume ausschlagen, sondern weil viele Menschen nach langer Winterpause ihr Rad aus dem Keller holen und wieder erste Fahrversuche unternehmen. Meinen schlimmsten Sturz hatte ich, als ganz unverhofft ein Biker hinter einem Gebüsch hervorsauste.

Blick ins Lexikon

Über Weihnachten kam ich auf die Idee nachzurechnen, wieviel Kilometer sich in diesen 10 Jahren auf der Fahrt zur Arbeit ansammelten. Die Zahl kam mir bekannt vor und bestätigte sich beim Blick ins Lexikon: Äquator: größter Breitenkreis, Umfang 40 076,592 km.

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