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  Rad-Magazin 1998  

Rad-Magazin 1998

Aus dem Inhalt

  Chancen für den Radverkehr

Was bringt uns die neue StVO?

  Wartung, Kodierung, Kurierdienst

Fahrradstation und SkF sind zufrieden

  Über Pässe zum Hochmoor

Fünf Tage dem Tauern-Radweg gefolgt

Foto: Auch ein Tourenleiter (Hans Walter) bekommt mal einen Platten


Was bringt uns die neue StVO?

Chancen für den Radverkehr

Von Joachim Gremm

Zum 1.9.1997 wurden Straßenverkehrsordnung (StVO) und ihre Verwaltungsvorschriften (VwV–StVO) neu geregelt. In der neuen Fassung spielt die Förderung des Radverkehrs eine deutlich größere Rolle als früher. Besonders interessant erscheinen uns die Gestaltungsmöglichkeiten für Radwege und Einbahnstraßen. Für Fahrradstraßen gibt es jetzt ein eigenes Verkehrsschild.

Radwege: Benutzungspflicht eingeschränkt

Untersuchungen belegen, dass sich (bei gleicher Verkehrsbelastung) teilweise mehr Unfälle auf Straßen mit Radwegen ereignen, als auf solchen ohne Radweg. Ein schlecht geplanter oder in schlechtem Zustand befindlicher Radweg ist nämlich gefährlicher als gar kein Radweg. Aus diesem Grund ist dem ADFC die Benutzungspflicht gekennzeichneter Radwege schon immer ein Dorn im Auge. Wer sich auf der Straße sicher fühlt, sollte innerorts – so die Auffassung des ADFC – nicht auf einen u.U. unzulänglichen Radweg gezwungen werden.

In dieser Frage gibt es jetzt einen ersten Teilerfolg zu melden: Ein Radweg darf nach der geänderten StVO nur dann als benutzungspflichtig gekennzeichnet werden, wenn seine Benutzung

  • nach der Beschaffenheit und dem Zustand zumutbar (z.B. möglichst 2 Meter Breite)
  • die Linienführung eindeutig, stetig und sicher
  • sowie die Benutzungspflicht erforderlich und verhältnismäßig ist.

Die Radfahrer erkennen eine benutzungspflichtigen Radweg an den altbekannten blauen, runden Verkehrsschildern, die ein Fahrrad zeigen, evtl. kombiniert mit dem Fußgängersignet „Mutter mit Kind“. Fehlt dieses Schild, muss der Radweg nicht benutzt werden. Gleiches gilt für Seiten– und Schutzstreifen auf der Fahrbahn.

Vorschläge für Ratingen

Ein besonderer Problemfall in Ratingen ist der stark befahrene Radweg in der oberen Düsseldorfer Straße (zwischen Wall– und Pestalozzistraße): Schmal, zusätzliche eingeengt durch Bäume und Poller, Fußgänger, die sich vom ebenfalls schmalen Bürgersteig „verirren“ – und das alles im Zweirichtungsverkehr. Hier schlägt der ADFC vor, für den aus der Innenstadt kommenden Radverkehr die Benutzungspflicht aufzuheben, damit Radler auf die Straße ausweichen können. Wer sich dort nicht sicher fühlt, kann wie gewohnt auf dem Radweg fahren!

Einbahn– und Fahrradstraßen: Gegen den Strom

Wer regelmäßig mit dem Rad in der Hochstraße (Einbahnstraße in Gegenrichtung) und der Kirchgasse (Fahrradstraße) unterwegs ist, weiß deren Vorteile zu schätzen: statt erheblicher, teilweise unsicherer Umwege eine attraktive Streckenführung.

Vor dem Hintergrund solcher Erfahrungen sieht die geänderte StVO die „Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung“ vor – zwar unter engen Vorraussetzungen und zunächst befristet bis Ende 2000, aber immerhin. Die Straßenverkehrsabteilung im Rathaus hat sich nach geeigneten Straßen in Ratingen umgesehen. Fahrradbeauftrage Heike Finger: „Als erstes wird der Grashofweg in Ratingen–Homberg fahrradfreundlich ausgeschildert“. Bei anderen Straßen sieht sie dagegen noch Probleme bzw. einen Umgestaltungsbedarf. An die Einrichtung weiterer Fahrradstraßen denkt man dagegen in der Stadtverwaltung derzeit nicht.

Fahrradstraßen haben sich mittlerweile in zahlreichen Städten bewährt, bisher sind sie aber nicht einheitlich gekennzeichnet. Daher hat die StVO jetzt ein eigenes Kennzeichen für Fahrradstraßen eingeführt.

Weitere Vorschläge für Ratingen

Bauchschmerzen bereitet uns seit langem das kurze Stück Lintorfer Straße vom Ende der Fußgängerzone bis zur Wallstraße. Denn jenseits liegt das Medienzentrum, dessen Abstellanlagen tagsüber überquellen. Eine Freigabe dieses Stücks Einbahnstraße für Radfahrer im Gegenverkehr wäre problematisch. Unser Vorschlag: Die paar Meter Bürgersteig so gestalten, dass ein kombinierter Geh– und Radweg möglich ist.

Da sich die Fahrradstraße in der Kirchgasse bewährt hat, sollte auch die Gruitstraße bis zur Wallstraße als Fahrradstraße eingerichtet werden (Anschluss an die Friedhofstraße!). Denn für Fahrräder gibt es immer noch keine in beiden Richtungen durchgehende „sichere“ Direktverbindung zwischen dem Zentrum und dem Norden mit den Schwimmbädern.

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Fahrradstation und SkF sind zufrieden

Wartung, Kodierung, Kurierdienst

Seit über drei Jahren arbeitet die Fahrradstation am S–Bahnhof Ratingen–Ost. Standen von Anfang an Wartung und Bewachung von Fahrrädern im Programm, hat sich das Angebot allmählich erweitert: Seit einem Jahr werden Fahrräder kodiert und für Firmen gibt es einen Kurierdienst. Träger der Station ist der „Sozialdienst katholischer Frauen“, der hier die Chance wahrnimmt, Menschen eine sinnvolle Tätigkeit zu ermöglichen, die auf dem Arbeitsmarkt schlechte Karten haben.

Im Mittelpunkt steht die Wartung: Unter Anleitung von Peter Töws, der in der Sowjetunion als Physiklehrer und Landmaschinen–Techniker gearbeitet hat, bringt das Werkstatt–Team angeschlagene Räder wieder in Schwung. Gebrauchräder stehen zum Verkauf, wer möchte , kann sich aber auch ein Fahrrad ausleihen.

Die Sommermonate waren erwartungsgemäß die Spitzenreiter bei der Fahrradkodierung (61 im Mai). Die Ziffer, die in den Rahmen eingraviert wird, schreckt Diebe ab und erhöht bei Diebstahl die Chance auf ein Wiedersehen. Gegenwärtig sind in Ratingen über 300 Räder kodiert. In der Fahrradstation ist dies während der Öffnungszeiten jederzeit möglich. Am 1. Mai und am 15. August wird dieser Service auch auf dem Marktplatz angeboten.

Wenig bekannt ist, dass die Ratinger Fahrradstation auch einen Kurierdienst unterhält. Drei Stammkunden hat man derzeit: Eine Kranfirma, ein Übersetzungsbüro und einen Kindergarten. Peter Töws: „Wir holen auch schon mal Croissants für die Frühstückspause.“ Manchmal rücken auch ganze Schulklassen an, um ihre Räder für einen Ausflug fit machen zu lassen. Oder ein kompletter Verein: Am „Vatertag“ lassen die „Dumeklemmer“ (Sportwanderverein) ihren Radwandertag von der Fahrradstation technisch betreuen.

Aus schüchternen Anfängen haben sich am Ostbahnhof viele Aktivitäten entwickelt. Zuletzt sei an die Fahrradbewachung für S–Bahn–Fahrer erinnert.

Öffnungszeiten:
Montag – Freitag: 6.00 – 18.00 Uhr
Samstag: 6.00 – 14.00 Uhr

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