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  Rad-Magazin 1997  

Rad-Magazin 1997

Aus dem Inhalt

  Rad fahren endlich gleichberechtigt

Rechtschreibreform stellt Radfahrer mit Autofahrern gleich

  Faule Ausreden ziehen nicht

Fahrradcodierung nun auch in Ratingen

  Ein Ritt zum Bodensee

Mit Fahrrad und Hausrat zum Schwabenozean

Foto: Geistliche Begegnung in Hessen zwischen Lauterbach und Bad Salzschlirf (Sommer 1996)


Rechtschreibreform stellt Radfahrer mit Autofahrern gleich

Rad fahren endlich gleichberechtigt

Von Joachim Gremm

Die deutsche Rechtschreibung hat bis jetzt das Fahrrad nicht ernst genommen! Man kann ,radfahren‘, aber man lernt ,Auto fahren‘. Mal ehrlich: Wird damit das auf der Welt meistbenutzte Verkehrsmittel nicht augenzwinkernd als Kinderspielzeug in die Garagenecke gestellt?

An der Zahl der Räder am Fahrzeug kann es nicht liegen. Wer auf einer BMW oder einer Honda sitzt, darf selbstverständlich Motorrad fahren. Also ist der Motor das entscheidende Kriterium? Falsch. Denn selbst der 4-jährige Dreikäsehoch darf auf dem Bürgersteig Roller fahren.

Am 1. August 1998, wenn die Rechtschreibrefom in Kraft tritt, wird für uns Radfahrer und Radfahrerinnen alles anders. Dann dürfen wir endlich Rad fahren! Wir sind davon so begeistert, dass wir uns schon in diesem Heft an die neuen Rechtschreibregeln halten. RadfahrerInnen weht eben der Wind um die Nase, weshalb sie ihren Mitmenschen oft ein Stück voraus sind.

Sie werden schnell feststellen, dass sich an der Ortografie nur sehr wenig ändert. An der deutschen Sprache ändert sie sowieso nichts, die Rechtschreibreform. Und an der Wirklichkeit (leider) überhaupt nichts.

Also: In der Ratinger Innenstadt ja nicht auf die Idee kommen, alle AutofahrerInnen sähen in uns auf einmal gleichberechtigte Verkehrspartner, nur weil sie demnächst die Art unserer Fortbewegung groß schreiben müssen. Das könnte ins Auge gehen!

Rad fahren/fahrend/schlagen:

Die Verbindung aus Substantiv und Verb wird getrennt geschrieben:

Sie fährt Rad. Rad fahrend kam sie uns entgegen. Gestern sind wir Rad gefahren. Ein Rad schlagender Pfau. s. § 34 E3 (5), § 36 E1 (1.2)

(Bertelsmann: Die neue deutsche Rechtschreibung. München 1996, S.770)

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Fahrradcodierung nun auch in Ratingen

Faule Ausreden ziehen nicht

Rad geklaut – die Horrorvorstellung jedes redlichen Radlers. Die beste Sicherungsmethode, das Anschließen mit einem soliden Schloss, bietet gerade für teure Räder keinen 100-prozentigen Schutz. Als Ergänzung bewährt sich in vielen Städten inzwischen die "Fahrradcodierung". Mittels einer Graviermaschine wird am Rahmen (oberes Sattelrohr) eine Codenummer eingeprägt, die bundesweit den wahren Besitzer verrät. Die Prägung wird abschließend mit einer Folie überklebt, die die Nummer wie in einem Fenster zeigt.

Dies vermindert den Wert des Diebesguts drastisch, denn mit faulen Ausreden kann der Raddieb nicht mehr kommen. Bei der „Ermittlungsgruppe Fahrrad“ in Bergisch Gladbach, der Erfinderin der neuen Methode, wird seit 1993 markiert. Die Diebstähle gingen binnen eines Jahres um 20 % zurück, und die Aufklärungsquote stiegt um ein Drittel.

Ab April wird endlich auch in Ratingen codiert. Die Fahrradstation am Ostbahnhof hat sich eine entsprechende Maschine angeschafft und bietet, in Zusammenarbeit mit den Beamten der Polizeinspektion Ratingen, ihren Dienst gegen eine Gebühr von 10 DM (ADFC–Mitglieder 5 DM) an. Es soll in der Fahrradstation, aber auch öffentlich wirksam auf dem Marktplatz codiert werden: am 1. Mai und am 27. Juni.

Der Code, eine Buchstaben–Zahlen-Kombination, enthält die persönlichen Daten des Besitzers. So kann ein Rad ohne Aufwand sofort zugeordnet werden. Wer die Nummer tilgt, z.B. durch Ausschleifen, hinterlässt unübersehbare verräterische Spuren.

Die Fahrradstation will die Codierung unbürokratisch durchführen: Der Personalausweis muß vorgelegt werden, bei neueren Rädern sollte man die Kaufquittung mitbringen, und man muss eine Einverständniserklärung unterschreiben. Das Codieren selbst dauert nur wenige Minuten.

Der ADFC unterstützt diese Aktion und hofft auf eine rege Beteiligung. Stadtdirektor Reinhard Fischer ("Eine gute Aktion!") hat in einem Schreiben die MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung gebeten, sich mit ihrem Rad an der Codierung zu beteiligen.

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