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  Das richtige Mittel gegen Radlosigkeit  

Fahrradversicherung: Vergleich einzelner Angebote lohnt sich

Nicht jede Police gewährt bei Diebstahl Schadenersatz

Süddeutsche Zeitung vom 12.3.2003

Es ist wieder soweit: Mit dem Frühling beginnt die Rad-Saison. Und auch die Fahrraddiebe rüsten wieder zum Angriff – immerhin verschwinden in Deutschland jedes Jahr rund 500000 Fahrräder. Die Bundesregierung spricht in ihrem Fahrradverkehrsbericht von einem jährlichen Schaden von 150 Millionen Euro. Was sie nicht sagt: Die Polizei kommt mit der Aufklärung der Diebstähle nicht hinterher, die Aufklärungsquote liegt bundesweit unter zehn Prozent. Eine Fahrradversicherung scheint also sinnvoll. Doch wie immer bei Versicherungsverträgen lohnt ein Blick ins Kleingedruckte, wie einige Beispiele zeigen.

Mit Bike Assekuranz bietet der Versicherungsmakler Pergande & Pöthe (www.pundpgmbh.de) eine spezielle Vollkasko-Police an, Mitglieder des ADFC erhalten Beitragsnachlässe. Versichert sind unter anderem Schäden durch Unfall, Transportmittelunfall und Diebstahl. Doch Vorsicht: Die Bedingungen sind mit zahlreichen Ausschlüssen und Auflagen gespickt. So empfiehlt es sich, den Rahmen des Rades bei Unterbringung in einem Fahrradgemeinschaftskeller an einen festen Gegenstand anzuschließen, was in vielen Kellern kaum möglich sein dürfte. Kann nämlich nicht nachgewiesen werden, dass der Keller aufgebrochen wurde, besteht kein Versicherungsschutz.

An die Beschaffenheit des Fahrradschlosses werden hohe Anforderungen gestellt. Akzeptiert werden nur gegen Kältespray geschützte Bügelschlösser oder stahlummantelte Sicherheits-Stahlseilschlösser. Eine Liste akzeptierter Schlösser gibt es im Internet unter www.bike-ass.de. Auch die Versicherungsbedingungen sowie ein Antrag sind dort zu finden. Versichert ist der Zeitwert des Rades bei Vertragsabschluss. Die Versicherungsleistung reduziert sich vom zweiten Versicherungsjahr an jährlich um je fünf Prozent der Versicherungssumme. An jedem Schaden muss sich der Versicherte mit zehn Prozent, aber mindestens 25 Euro, beteiligen. Die Selbstbeteiligung ist auf maximal 250Euro begrenzt. Bei Schadenfreiheit werden Rabatte eingeräumt.

Fahrradreisende sollten sich das Kleingedruckte besonders gut durchlesen. Der Geltungsbereich der Versicherung beschränkt sich auf wenige Länder und kann nur auf Antrag auf weitere Staaten ausgedehnt werden. Bei der ebenfalls im Angebot befindlichen Teilkaskoversicherung sind nur Räder mit einem Wert bis 499 Euro versicherbar. Abgesichert sind: Diebstahl, Einbruchdiebstahl, Brand, Blitzschlag und Explosion. Positiv: Schon bei Vertragsabschluss werden Nachweise zu den Besitzverhältnissen verlangt. So bleibt im Schadenfall wenig Spielraum für Streit.

Die Vollkaskoversicherung Top-Schutz der ARAG (www.arag.de) wird oft von Fahrradhändlern angeboten. Der Versicherungsschutz ist sehr umfangreich. Ob Komponenten wie Schutzbrief und Inspektionsgutschein wirklich gebraucht werden, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die im Vertrag enthaltende Haftpflichtversicherung kann leicht falsche Hoffnungen wecken: Sie bezieht sich ausschließlich auf die Eigenschaft als Radfahrer und ersetzt keine zusätzliche Privathaftpflichtversicherung. Versichert ist der Neuwert des Velos; bei Fahrraddiebstählen und -unfällen wird Ersatz in Form eines Gutscheins geleistet. Eine Praxis, über die man streiten kann, aber die Beliebtheit der ARAG bei Fahrradhändlern erklärt. Wegen des üppigen Umfangs ist die Versicherung teuer. Allerdings wird eine Selbstbeteiligung nur bei Diebstahl beziehungsweise Beschädigung von Fahrradteilen fällig. Sie beträgt pauschal 50Euro. Bei Schadenfreiheit wird – erstmals nach fünf Jahren – ein Rabatt gewährt. Eine Alternative bietet der vom gleichen Versicherer angebotene Standard-Schutz, eine Teilkaskoversicherung, bei der der Versicherungsumfang allerdings deutlich geringer ausfällt.

Besitzer einer Hausratversicherung sind gegebenenfalls mit dem zusätzlichen Einschluss von „einfachem Fahrraddiebstahl” gut bedient. Auch wenn der Versicherungsschutz eingeschränkt ist, ist er oft günstig zu haben. Bei einem 500Euro teuren Velo kostet die Diebstahlversicherung bei preiswerten Anbietern jährlich um die 30 Euro. Beim ARAG Standard-Schutz werden für ähnlichen Versicherungsumfang 57Euro verlangt. Vergleiche lohnen sich.

Das Fahrraddiebstahlrisiko ist bei den Versicherern wegen der enormen Schadenquoten insbesondere in Ballungsgebieten, nicht gerade beliebt. Immer mehr Anbieter haben in den letzten Jahren spezielle Fahrraddiebstahl- Versicherungen vom Markt genommen. Wer häufiger den Verlust seines Rades zu beklagen hat, gerät nach Aussagen von Versicherungsvermittlern schnell in Gefahr, nicht mehr oder erst wieder nach Jahren versichert werden zu können.

Am preisgünstigsten versichert man sich gegen Fahrraddiebstähle durch den Gebrauch eines guten Bügel- oder stahlummantelten Stahlseilschlosses. Welche Schlösser zu empfehlen sind, erfährt man bei Stiftung Warentest oder der örtlichen Verbraucherberatung. Der Rahmen des Velos sollte grundsätzlich an einen festen Gegenstand wie eine Straßenlaterne oder ähnliches angeschlossen werden. Wer zusätzlich Laufräder und Sattel mit speziellen Diebstahlsystemen (www.pitlock.de) sichert und sein Fahrrad codieren lässt, gibt Dieben kaum eine Chance.

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